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Polizeit räumt illegale Wagenburg in Freiburg.
Polizeit räumt illegale Wagenburg in Freiburg. © dpa/lsw
03.08.2011

Polizei räumt illegale Wagenburg - Krawalle in Freiburg

Freiburg (dpa/lsw) - Ein Großaufgebot der Polizei hat am Mittwochmorgen eine illegale Wagenburg der links-alternativen Szene in Freiburg geräumt. Die Bewohner hatten sich geweigert, das Baugrundstück nach zweijähriger Besetzung freiwillig zu verlassen.

In der Nacht war es zu Krawallen gekommen, teilte die Polizei mit: Unbekannte errichteten rund um das Gelände Straßenbarrikaden und zündeten sie an. Den anrückenden Polizisten stellten sich zahlreiche Demonstranten entgegen. Drei Randalierer wurden festgenommen.

Auf dem Gelände im Freiburger Stadtteil Vauban soll ein Gebäude mit Wohnungen, Geschäften und einem Hotel errichtet werden. Die Bauarbeiten sollen in den kommenden Tagen beginnen.

„Wir sind auf ein erhebliches Gewaltpotenzial gestoßen“, sagte ein Polizeisprecher. Unbekannte errichteten aus Müllcontainern, Bauzäunen, Holzpaletten und Einkaufswagen Barrikaden und zündeten sie an. Auch zwei Bagger gingen in Flammen auf, es wurden auch Brandbomben geworfen. Zudem entdeckte die Polizei über die Straße gespannte Stahlseile sowie Stahlkrallen, die sich in Autoreifen bohren.

Ein Autofahrer wurde Polizeiangaben zufolge von mehreren Vermummten angegriffen, als er eine Straßenblockade beseitigen wollte. Er wurde verletzt. Streifenwagen der Polizei seien attackiert und mit Farbbeuteln beworfen worden, hieß es. Feuerwehrleute wurden am Löschen der brennenden Barrikaden gehindert. Wieviele Beamte im Einsatz waren, gab die Polizei nicht bekannt.

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) verurteilte die Straftaten. „„Es ist eine Dimension an Gewalttaten erreicht, die es in Freiburg zu vergleichbaren Anlässen seit vielen Jahren nicht mehr gab“, sagte er. „Ich bin von den Ereignissen heute Nacht erschüttert“. An der Linie der Stadt, keine illegalen Wagenburgen zuzulassen, werde sich nichts ändern. Rückendeckung erhielt Salomon hierfür unter anderem von der CDU-Fraktion im Gemeinderat.

Die Frist zum freiwilligen Verlassen des besetzten Geländes war in der Nacht zum Montag abgelaufen. Die Besetzer, die sich von den Gewalttaten am Mittwoch offiziell distanzierten, hatten bis zuletzt ein Gelände für ihre Wagenburg gefordert. Die Stadt lehnt dies ab. Für Wagenburgen gebe es in Freiburg drei Plätze für insgesamt rund 100 Bewohner. Diese seien ausreichend, sagte ein Sprecher des Rathauses.

Durch die gewaltsame Räumung sei der Konflikt nicht gelöst, sondern verschärft worden, kritisierte das sogenannte Kunst-, Kultur-, und Wagenkollektiv Kommando Rhino: „Trotz des Verlusts unseres Lebensraums verschwinden wir nicht von der Bildfläche.“ Man werde weiterhin mit Aktionen präsent sein und am Wochenende in der Innenstadt demonstrieren.