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12.12.2011

Polizist wegen falscher Gutachten hinter Gitter

Ellwangen. Zweieinhalb Jahre Haft sind die Strafe für einen Polizisten aus Heidenheim, der Drogengutachten verfälschte. Die Taten hatten 14 Autofahrern ihre Führerscheine gekostet.

Das Landgericht Ellwangen sah es am Montag als erwiesen an, dass der 38-Jährige zwischen Mai 2009 und März 2011 Gutachten der Rechtsmedizin Ulm so veränderte, dass positive Tests auf Cannabisspuren herauskamen. Der Angeklagte habe «einen schwarzen Schatten auf den Rechtsstaat gelegt und die Rechtspflege beschädigt», befand Richter Gerhard Ilg.

Wie der Heidenheimer Drogenermittler vor Gericht zugab, hatte er schon bei Urin- und Schweißtests der Betroffenen bewusst falsche Ergebnisse angegeben. Anschließend benutzte er einen Tipp-Ex-Stift, um die Aktenzeichen der eigentlich negativen Drogentests der Rechtsmedizin auf positive von anderen Fällen zu kopieren. Daher hatten 14 Unschuldige ihre Führerscheine verloren - was etwa bei einem jungen Mann bedeutete, dass ihn die Eltern morgens um 04.00 Uhr zur Arbeit fahren mussten. Auf andere kamen teure Fahrprüfungen zu.

Die Motive des 38-Jährigen blieben laut Ilg eine Vermutung. «Er galt als Super-Cop mit einem besonderen Näschen für Drogenkonsumenten», erklärte der Richter, «Diesen Ruf wollte er vermutlich weiter ausbauen.» Kollegen hatten den Angeklagten als äußerst ehrgeizig beschrieben. Ein Psychologe bescheinigte ihm allerdings auch Anzeichen eines Burn-Out-Syndroms.

Der 38-Jährige wurde wegen der Verfolgung Unschuldiger, Urkundenunterdrückung und falscher Verdächtigung verurteilt. Zudem machte er sich auch der Falschaussage schuldig - vor dem Amtsgericht hatte er seine Verfälschung nämlich zunächst bestritten, als einer der Betroffenen gegen den Führerscheinentzug klagte. Der Fall hatte die Aufdeckung ins Rollen gebracht. dpa

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