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Einbrecher haben aus einer Schwarzwälder Schinkenräucherei in Lauterbach rund 1,5Tonnen Rauchfleisch gestohlen. Doch noch in der gleichen Nacht kam ihnen die Polizei auf die Spur. Die schnüffelten so lange nach dem typischen Räuchergeruch, bis sie die Beute gefunden hatten.
Einbrecher haben aus einer Schwarzwälder Schinkenräucherei in Lauterbach rund 1,5Tonnen Rauchfleisch gestohlen. Doch noch in der gleichen Nacht kam ihnen die Polizei auf die Spur. Die schnüffelten so lange nach dem typischen Räuchergeruch, bis sie die Beute gefunden hatten. © Symbolbild: dpa
20.03.2012

Polizisten erschnüffeln 1,5 Tonnen geklautes Rauchfleisch

Vier Männer aus dem Raum Karlsruhe drangen am Sonntagnachmittag gewaltsam in eine Schwarzwälder Schinkenräucherei in Lauterbach ein, erbeuteten rund eineinhalb Tonnen Rauchfleisch und verschwanden, bevor der von einem Anwohner alarmierte Firmeninhaber am Tatort eintraf. Dennoch gelang es der Polizei durch beispielhafte Zusammenarbeit der Polizeireviere in Schramberg, Ettlingen und Karlsruhe sowie schneller Entscheidungen von Staatsanwaltschaft und Amtsgericht Rottweil, noch in der Tatnacht zwei Tatverdächtige in Karlsruhe festzunehmen und einen Großteil des Diebesgutes sicherzustellen.

Die vier Männer fielen am Sonntagnachmittag einem Anwohner in Lauterbach auf, da sie wiederholt, in wechselnder Besetzung, mal zu Fuß, mal mit dem Fahrzeug in verdächtiger Weise im Bereich der Schinkenräucherei unterwegs waren. Der Zeuge notierte sich das Kennzeichen des in Karlsruhe zugelassenen Transporters und verständigte, da ihm die Sache letztlich nicht ganz geheuer vorkam, den Firmeninhaber. Dieser eilte sofort zu seinem Betrieb, kam allerdings wenige Minuten zu spät.

Die Männer hatten im Laufe des Nachmittags irgendwann eine Gebäudetür aufgehebelt, später das Diebesgut zur schnellen Verladung bereitgelegt und dieses kurz vor 19 Uhr innerhalb kürzester Zeit in ihren Ford-Transit verfrachtet, bevor sie die Flucht ergriffen.

Das vom Zeugen notierte Kennzeichen stammte von einem Mietwagen. Die Polizei in Ettlingen ermittelte, dass die zwei Mieter das Fahrzeug nicht fristgerecht abgegeben hatten. Umfassende weitere Nachforschungen und eine Handyortung ergaben Anhaltspunkte auf den aktuellen Fahrzeugstandort, irgendwo in der Innenstadt von Karlsruhe.

Doch dort waren weder Fahrzeug noch Fahrzeugmieter zu finden. Im Zuge der Fahndung gelang es der Karlsruher Polizei kurz nach Mitternacht das geparkte Fahrzeug unweit der Wohnadresse eines der Fahrzeugmieter ausfindig zu machen. Verlassen und mit leerer Ladefläche stand es am Fahrbahnrand. Lediglich die im Innenraum liegenden typischen Stangen zur Aufhängung von Rauchfleisch und der typische Rauchgeschmack signalisierten, dass die Ordnungshüter auf der richtigen Fährte waren.

Staatsanwaltschaft und Bereitschaftsrichter in Rottweil wurden von der Polizei Schramberg zum wiederholten Mal in dieser Nacht bemüht und mussten wegen des Einbruchs Anträge stellen sowie Entscheidungen fällen. Waren am späten Abend Handy-Ortungen anzuordnen, so galt es in der zweiten Nachthälfte Durchsuchungsbeschlüsse für mehrere Wohnungen zu erlassen. Kaum lagen die mündlich angeordneten Beschlüsse vor, da standen die Karlsruhe Beamten schon beim ersten Verdächtigen vor der Wohnungstür.

Der Mann öffnete, leugnete aber die Tat. Doch da seine Kleidung intensiv nach Rauchfleisch roch, erfolgte die vorläufige Festnahme des 55-Jährigen und die Beschlagnahme seiner Kleidung. Der zweite Verdächtige, ein 41-Jähriger, konnte in seiner Wohnung nicht angetroffen werden. Doch die Beamten nahmen nun im wahrsten Sinne des Wortes Witterung auf. Sie fanden den Gesuchten in der Wohnung eines 25-jährigen Mittäters. Dieser war zwar selbst nicht präsent, doch dort konnte der 41-Jährige vorläufig festgenommen werden.

Damit nicht genug: Beim Verlassen des Gebäudes stieg den Ordnungshütern im Treppenhaus der immer intensiver werdende Geruch aromatischen Schwarzwälder Rauchfleisches in die Nasen. Sie folgten dem Geruch und fanden im Keller mehr als eine Tonne der in Lauterbach gestohlenen Lebensmittel. Die Beamten machten auf dem Absatz kehrt, eilten die Treppen wieder hinauf und entdeckten im Kühlschrank des 25-Jährigen weiteres Diebesgut. Mehrere Streifenwagen waren erforderlich, um die Tatverdächtigen und das sichergestellte Diebesgut abzutransportieren.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Rottweil wurde vom Amtsgericht Rottweil gegen die drei von der Polizei bereits in der Tatnacht namentlich ermittelten Tatverdächtigen Haftbefehl erlassen. Allerdings gelang es bislang lediglich, zwei der Tatverdächtigen festzunehmen. Sowohl der 25-Jährige als auch der vierte Komplize, konkrete Erkenntnisse, um wen es sich dabei handelt liegen vor, befinden sich derzeit noch auf der Flucht.

Was mit dem Diebesgut geschieht, konnte seitens der Polizei noch nicht mitgeteilt werden. Als Lebensmittel darf die Ware, mit der wohl nicht immer sachgerecht umgegangen wurde, nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Der Geschädigte wird sich wohl an seine Versicherung halten müssen, und ob sich diese bei den Tatverdächtigen schadlos halten kann, muss wohl bezweifelt werden. pol

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