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Der Tatort der Schießerei: ein Bahnhof in Untertürkheim.
Der Tatort der Schießerei: ein Bahnhof in Untertürkheim. © dpa
26.02.2015

Polizisten schießen Bewaffneten in Bauch - Staatsanwaltschaft prüft

Weil ein bewaffneter Mann von Polizisten in Stuttgart niedergestreckt wurde, prüft die Staatsanwaltschaft routinemäßig ein Verfahren wegen Verdachts auf Körperverletzung. «Immer wenn eine Waffe gezogen wird - das nennt man Schutzwaffengebrauch - wird das sofort an die Staatsanwaltschaft weitergegeben», sagte Behördensprecherin Claudia Krauth am Donnerstag.

Diese Prüfung könne je nach Fortschritt der polizeilichen Ermittlungen mehrere Wochen dauern. Gegen den mutmaßlich lebensmüden Mann, der sich offensichtlich von der Polizei erschießen lassen wollte, werde ein Verfahren wegen Bedrohung eingeleitet. Die Vernehmungen der Beteiligten hätten noch nicht stattgefunden.

Der 34-Jährige polizeibekannte Mann liegt schwer verletzt in einem Krankenhaus, er hatte einen Bauchschuss erlitten. Er hatte in der Nacht zum Mittwoch am Bahnhof in Untertürkheim mit einer täuschend echt aussehenden Waffe um sich geschossen und die Polizei bedroht. Daraufhin hatten zwei 25 Jahre und 35 Jahre alte Beamte das Feuer eröffnet und den Mann verletzt.

Der standardisierte Ablauf in solchen Fällen ist laut dem Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lautensack, dass die Ermittlungen an eine andere Polizei abgegeben werden. «Dies soll objektive Untersuchungen sicherstellen», sagte Lautensack. Im Stuttgarter Fall wurde bereits das Polizeipräsidium Ludwigsburg tätig. Die am Tatort beteiligten Beamten werden von einem sozialen Netzwerk aufgefangen. «Da stehen Polizeiseelsorger und Konfliktbetreuer zur Verfügung. Es finden viele Gespräche statt», erklärte Lautensack.

Der Stuttgarter Polizeisprecher Stefan Keilbach sagte, die beiden Polizisten erhielten auf Wunsch entsprechende dienstliche fürsorgliche Betreuung. Trotz der staatsanwaltschaftlichen Überprüfungen könnten die Beamten arbeiten. «Es könnte aber auch sein, dass die Kollegen so traumatisiert sind von dem Ereignis, dass sie krankgeschrieben werden müssen.» Mit den Beamten werde erst noch darüber gesprochen, sagte Keilbach.

Nach der Schießerei hatte die Polizei am Tatort einige Patronenhülsen der Polizei und Projektile aus der Waffe des 34-Jährigen sichergestellt. Diese werden ebenfalls untersucht, sagte Keilbach. Selbst 3D-Aufnahmen sind vorgenommen worden und werden bewertet.

In einem 3D-Modell werden Spuren wie Einschusslöcher und die Umgebung räumlich dargestellt, um so den Standort von Tätern und Opfern zu bestimmen. Die Kriminaltechniker versuchen mit diesem Werkzeug, den Tathergang nachzuvollziehen. Das Gerät, das auch schon für die Rekonstruierung des Amoklaufs in Winnenden eingesetzt wurde, kommt laut Keilbach häufiger zum Einsatz.

Im aktuellen Fall hatte der 34 Jahre alte Täter eine schwarze «Taurus PT 92 AF» benutzt - eine Softairwaffe, von einer echten Pistole nicht zu unterscheiden. Der Mann ist polizeibekannt - Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte, Drogendelikte. Es ist der zweite derartige «Suicide-by-Cop-Fall» in Stuttgart seit 2013.