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Post mit Folgen: Mann nach Drohbriefen an Politiker vor Gericht.
Post mit Folgen: Mann nach Drohbriefen an Politiker vor Gericht © dpa
02.04.2014

Post mit Folgen: Mann nach Drohbriefen an Politiker vor Gericht

Karlsruhe. Weil er kurz vor der Wahl des Bundespräsidenten im März 2012 Drohbriefe an Politiker verschickt haben soll, steht ein 38 Jahre alter Mann seit Mittwoch vor dem Karlsruher Amtsgericht.

Die Anklage wirft ihm vor, neben «sinnlosen Schriftstücken» auch Sand und schwarze Bleikügelchen in die Briefumschläge getan zu haben, die an 164 Mitglieder der Bundesversammlung gingen. Absichtlich habe er bei den Empfängern den Eindruck erweckt, es handele sich um giftige, möglicherweise lebensgefährliche Substanzen.

Außerdem befanden sich Gutscheine für Fastfood-Ketten sowie eine Einladung zu einem fiktiven Galadinner in den Briefen. Unter den Adressaten waren unter anderem der CSU-Politiker Edmund Stoiber, Ex-Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sowie die Grünen-Politikerin Renate Künast. Sie alle gehörten zur Bundesversammlung, die am 18. März 2012 den Bundespräsidenten wählte. Zu den Vorwürfen wollte sich der 38-Jährige zunächst nicht äußern. Angeklagt ist er unter anderem wegen Störung des öffentlichen Friedens.

Ausführlich nahm der arbeitslose Mann hingegen zu seinem Lebenslauf Stellung und zeichnete dabei das Bild eines psychisch auffälligen Mannes mit gelegentlichen Alkoholproblemen. Auf Nachfragen des Sachverständigen und der Richterin verlor er sich immer wieder in wirren Details und Widersprüchlichkeiten. Da er zum ursprünglich anberaumten Verhandlungstermin nicht erschienen war, sitzt er inzwischen in Haft und wurde am Mittwoch vorgeführt.

Neben den Drohbriefen soll er auch die Mitarbeiterin eines Jobcenters bedroht und außerdem Ende Oktober 2012 ein auffälliges Paket ans Amtsgericht geschickt haben. Darin: Ein Küchenmesser, eine Munitionskiste sowie ein Grablicht. Das Gericht war damals für einige Stunden geräumt worden. Im Prozess sollen 14 Zeugen sowie der Sachverständige gehört werden. Ein Urteil wird für diesen Freitag erwartet.