Protest gegen Aufwertung von Homosexualität an Schulen
Protest gegen Aufwertung von Homosexualität an Schulen. 

Protest gegen Aufwertung von Homosexualität an Schulen

Stuttgart. Das Thema mobilisiert und elektrisiert: Nur unter dem Schutz von 400 Polizisten konnte am Samstag ein Demozug gegen den grün-roten Bildungsplan durch Stuttgart ziehen. Nach einer Kundgebung gegen die geplante Aufwertung des Themas Homosexualität in Baden-Württembergs Schulen zogen mehrere Hundert Menschen Richtung Landtag.

Rund 30 Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum versuchten den Zug von rund 800 Teilnehmern zu blockieren, wurden aber von Polizisten zur Seite gedrängt und festgesetzt. Laut Polizei wurden Beamte mit Tritten angegriffen.

Immer wieder mussten Polizisten dem Demozug den Weg frei räumen. Mehrfach flogen Tomaten und Wasserbomben in Richtung der Gegner des Bildungsplans. Diese sangen Kirchenlieder und skandierten «Schützt unsere Kinder» und «Kinder brauchen Liebe - und keinen Sex». Auf den Transparenten standen Schlagworte wie «Finger weg von unseren Kindern», «Keine Sex-Gehirnwäsche» oder «Indoktrination» sowie Warnungen vor «grünem Gesinnungsterrorismus».

Die Polizei setzte Reiter ein und gab zeitweise den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray frei. Ein Beamter wurde verletzt, wie ein Polizeisprecher am Abend mitteilte.

Bereits am 1. Februar hatte es ähnliche Szenen gegeben. Auch da kochten nach Kundgebungen die Emotionen hoch. Die Landesregierung plant im Bildungsplan 2015 unter anderem dem Thema sexuelle Vielfalt an Schulen mehr Raum zu geben. Ziel sei aber auf keinen Fall eine Umerziehung, betonte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits mehrfach. «Wir können aber nicht zusehen, wie jemand diskriminiert wird.» Grün-Rot setze auf Aufklärung. 190 000 Menschen hatten eine Petition gegen einen «Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens» unterschrieben.

Bei einer zweiten Demonstration am Samstag auf dem nahen Marktplatz demonstrierten zeitgleich laut Polizei rund 400 Menschen für den grün-roten Bildungsplan. Viele hatten Regenbogenflaggen als Symbol der Homosexuellen dabei. «Bildung fördert Respekt und Toleranz» stand hier auf den Transparenten, oder «Familie ist - wo Kinder sind.»

Christoph Michl, Sprecher der Interessensgemeinschaft Christopher Street Day (CSD), rief dazu auf, das Thema zu versachlichen. «Uns geht es darum, Akzeptanz und Toleranz in die Gesellschaft zu bringen.» Er habe volles Vertrauen in die Landesregierung und hoffe, das diese nicht einknicke. Wichtig sei es, überall Aufklärungsarbeit zu leisten und Ängste zu nehmen. Michl rief die Demonstranten auf dem Markt auf, nicht auf den Schlossplatz zu ziehen. Stattdessen schloss man sich zu einem Schweigemarsch zusammen «gegen das Vergessen im Gedenken an die Opfer heteronormativer Gewalt und geschlechtlicher Zwangszurichtungen».