Coronavirus - Proteste gegen Corona-Maßnahmen in Stuttgart
Zahlreiche Menschen demonstrieren vor dem Funkhaus des Südwestrundfunks (SWR) gegen die staatlichen Corona-Regeln.  Foto: Christoph Schmidt/dpa 

Protest vor Sender, Menschenkette: wieder Aktionen wegen Corona

Freiburg/Stuttgart/Ulm/Pforzheim/Remchingen/Eisingen. Die Debatte um die Corona-Politik und ihre Folgen hat am Wochenende im Südwesten wieder tausende Menschen mobilisiert. Allein in Freiburg protestierten am Samstag etwa 5500 Menschen gegen die staatlichen Corona-Regeln, wie die Polizei berichtete. Bei einer ebenfalls angemeldeten Gegendemonstration versammelten sich demnach rund 2000 Menschen. Dort sei es zum verbalen Austausch zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten gekommen, berichtete die Polizei.  Auch in Pforzheim und dem Enzkreis gab es Demonstrationen.

Kritiker der Corona-Politik demonstrierten auch in Stuttgart. Sie machten dabei auch vor dem Gebäude des Südwestrundfunks (SWR) im Osten der Landeshauptstadt Halt. Die Polizei gab am Samstag auf Anfrage die Teilnehmerzahl mit «über 1000» an. Eine andere Quelle sprach von bis zu 3000 Menschen. Bei der angemeldeten Veranstaltung gab es laut Polizei keine größeren Zwischenfälle.

Demonstration Corona Massnahmen 22-01-22
Pforzheim+

Corona-Demo bleibt friedlich - Polizei weist Ordner auf Maskenpflicht hin

Vor dem Südwestrundfunk kritisierten die Teilnehmer die Berichterstattung in den Medien über die Corona-Pandemie. Immer wieder wurde «Lügenpresse» gerufen oder «Wir sind das Volk», wie ein Augenzeuge berichtete. Gegner der Corona-Maßnahmen hatten in der Vergangenheit heftige Kritik an Medien und auch am öffentlich-rechtlichen Rundfunk geübt. Verdi-Landeschef Martin Gross erklärte: «Kritik an der aktuellen Politik und auch an der Berichterstattung darüber sind nicht nur erlaubt, sie sind in einer Demokratie auch geboten.» Aber alle Grenzen würden eingerissen, wenn Journalistinnen und Journalisten diffamiert und bedroht würden.

760_0900_137323_Corona_Demo_Remchingen_21_01_22_12.jpg
Region+

Protestzug durchs Irgendwo: Corona-Demos im Enzkreis nehmen Fahrt auf

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) missbilligte das Geschehen vor dem Gebäude des SWR. Wer «Lügenpresse» rufe und behaupte, der SWR und andere Medien würden berichten, was ihnen «von oben» gesagt werde, irre, heißt es in einer Mitteilung des Landesverbandes Baden-Württemberg. «Gleichzeitig zu fordern, Medien sollten in ihrem Sinne berichten, ist absurd. Das offenbart wenig Verständnis dafür, wie unabhängige Medien arbeiten und funktionieren», sage der DJV-Landesvorsitzende Markus Pfalzgraf.

Die Polizei forderte Teilnehmer in Stuttgart immer wieder auf, eine Maske zu tragen. Wegen fehlender Mund-Nasenbedeckung gab es mehrere Anzeigen. Ein Maskenverweigerer sei vorläufig festgenommen worden, weil er seine Personalien nicht angeben wollte, sagte ein Polizeisprecher.

Demos aus in der PZ-Region

In Pforzheim demonstrierten nach Polizeiangaben am Samstag bis zu 900 Menschen, am Freitag kamen auch in Remchingen rund 600 Menschen zusammen.

760_0900_136207_Demonstration_Corona_Massnahmen_17_01_22.jpg
Pforzheim

Verstoß kann 500 Euro kosten: Künftig Maskenpflicht bei Corona-Demos

Im Ulm versammelten sich am Samstag Tausende, um ein Zeichen für ein respektvolles Miteinander in Corona-Zeiten zu setzen. Nach einer Kundgebung auf dem Münsterplatz bildeten Teilnehmer eine Menschenkette bis zum Rathaus der Nachbarstadt Neu-Ulm, wie ein Augenzeuge berichtete.

760_0900_136207_Demonstration_Corona_Massnahmen_17_01_22.jpg
Pforzheim+

Warum Pforzheim Hochburg des Corona-Widerstands ist – ein Erklärungsversuch

Die Veranstalter äußerten Sorge über Versuche, im Zuge der Pandemie in der Stadt Unfrieden und Misstrauen zu säen, wie es in einem Aufruf zu der Versammlung hieß. Man sage Nein zu den Versuchen einer Minderheit, die Mehrheit der Andersdenkenden zu diskreditieren.

Zu der Demonstration hatte ein breites Bündnis aus Politik und Gesellschaft aufgerufen. Neben der evangelischen und katholischen Gesamtkirchengemeinden in Ulm unterstützten den Aufruf etwa auch der frühere Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) sowie zahlreiche Abgeordnete mehrerer Parteien.