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04.07.2016

Prozess um Mordversuch beginnt mit Attacke auf den Angeklagten

Stuttgart. Mit einer Attacke vom Bruder des Opfers auf den Angeklagten hat gestern vor dem Stuttgarter Landgericht der Prozess um einen Mordversuch begonnen.

Mehrere Männer, darunter der Sicherheitsbeamte, rangen den Angreifer nieder. Auch ein Gerichtshelfer war in das Handgemenge verwickelt und versuchte, den 49 Jahre alten Angeklagten zu schützen. Der Angreifer wurde schließlich in Handschellen abgeführt. Dem Vernehmen nach ist er erst seit wenigen Tagen in Deutschland, erfuhr vom Mordversuch auf seine Schwester und dem Prozess erst kürzlich.

Nach einer guten Stunde Unterbrechung – und nachdem eine Sicherheitsschleuse installiert und alle Besucher durchgegangen waren – ging es weiter. Laut Anklage hat der gelernte Staplerfahrer (49) am 19. Januar in Sindelfingen einer zehn Jahre jüngeren Frau mit einer Pistole in den Bauch geschossen - vermutlich, weil diese seine Liebe nicht erwiderte. Beide kannten sich, nur er wollte mehr. Die heute 40-Jährige konnte laut Staatsanwaltschaft nur durch eine Not-Operation gerettet werden. Zur Tat äußerte sich der Angeklagte im Prozess bislang nicht, blickte stets nach unten.

Die Tat selbst beschrieb die 40-Jährige gestern ganz knapp, es dauerte auch nicht lange: Ihr Bekannter habe an der Tür ihrer Mietwohnung in Sindelfingen geklopft, auf ihre Nachfrage nichts erwidert, sich gegen die Tür gestemmt, als sie öffnete. Vor ihr stehend habe er noch gefragt, „Kennst Du mich noch?“ – dann fiel der eine Schuss, abgefeuert aus vielleicht 20 Zentimetern Distanz. Der Mann verschwand, ohne sich um sein Opfer zu kümmern.

Nachbarn alarmierten Polizei und Notarzt. Das Opfer hatte den Mann nach eigenen Angaben sofort erkannt. Gut 30 Stunden später wurde er festgenommen. Die Tatwaffe, eine Pistole, fanden die Ermittler in einer von dem 49-Jährigen genutzten Garage.

Bis heute leidet die 40-Jährige unter Schmerzen, Panikattacken und Depressionen, wie sie erzählte. Die Frage des Vorsitzenden Richters, ob die Tat ihr Leben verändert habe, beantwortete sie mit „Ja“.Der Prozess soll am Montag fortgesetzt werden.