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Vor dem Landgericht Tübingen beginnt am Donnerstag (20.9.) einer der größten Drogen-Prozesse seit Jahrzehnten in Baden-Württemberg.
Vor dem Landgericht Tübingen beginnt am Donnerstag (20.9.) einer der größten Drogen-Prozesse seit Jahrzehnten in Baden-Württemberg. © dpa
17.09.2012

Prozess um größten Kokain-Schmuggel seit Jahren

Tübingen. Vor dem Landgericht Tübingen beginnt am Donnerstag (20.9.) einer der größten Drogen-Prozesse seit Jahrzehnten in Baden-Württemberg. Acht Mitglieder einer kolumbianischen Rauschgifthändlerbande sollen Ende 2011 rund 130 Kilogramm Kokain aus Südamerika in den kleinen Ort Engstingen (Kreis Reutlingen) auf der Schwäbischen Alb geschmuggelt haben.

Nach Angaben des Landeskriminalamts war es damals der größte Kokain-Fund im Südwesten seit über 20 Jahren. Die Angeklagten sind zwischen 25 und 77 Jahren alt. Sie waren kurz vor Weihnachten in Baden-Württemberg, den Niederlanden und in Spanien festgenommen worden.

Die Drogen, die die Fahnder in Engstingen sichergestellt haben, hätten auf dem Schwarzmarkt mehrere Millionen Euro gebracht. Um die Ware unerkannt über die Grenze zu schmuggeln, soll die Drogenbande nach Angaben des Landgerichts 250 000 Euro an einen Helfer gezahlt haben - doch sie gerieten an den Falschen. Der vermeintliche Helfer war ein verdeckter Ermittler der Polizei.

Die Reutlinger Kokain-Lieferung beweist für das Landeskriminalamt, dass Drogenschmuggler dabei sind, neue Wege für ihre Lieferungen von Südamerika nach Europa zu etablieren. Das in Reutlingen gefundene Kokain war zunächst auf dem Seeweg von Südamerika nach Europa und dann weiter bis nach Baden-Württemberg transportiert worden. Der europäische Markt sei für Rauschgiftproduzenten sehr lukrativ, hatte LKA-Präsident Dieter Schneider damals erklärt. Das liege auch daran, dass man Drogen innerhalb Europas ohne Zollkontrollen an den Landesgrenzen transportieren könne.

Der Fund von 130 Kilogramm Kokain ist für die Ermittler außergewöhnlich. Im gesamten Jahr 2010 waren in Baden-Württemberg 86,4 Kilogramm des Rauschgifts aus dem Verkehr gezogen worden, 2011 waren es bis zu dem Fund in Engstingen nur rund 25 Kilogramm. Vor zwei Monaten beschlagnahmten die Ermittler dann allerdings im Kreis Calw sogar 135 Kilogramm Kokain. Diese Drogen waren versteckt zwischen Maschinenteilen ebenfalls mit dem Schiff von Südamerika nach Europa transportiert worden.

Für den Prozess vor der 2. Großen Strafkammer in Tübingen sind elf Verhandlungstage geplant. Ein Urteil könnte trotzdem schon Ende Oktober verkündet werden.