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Tödlicher Schuss: Hells Angels-Rocker vor Gericht © dpa
14.09.2010

Prozessauftakt: Hells-Angels-Rocker vor Gericht

KOBLENZ. Ohne jede Vorwarnung schoss der Hells-Angels-Rocker durch eine Tür und tötete einen Polizisten. Am heutigen Dienstag muss sich der 44-Jährige in Koblenz wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der Fall wird vermutlich die Debatte um Rocker-Kriminalität erneut anheizen. Auch in Pforzheim ist die Rocker-Gruppe kein unbeschriebenes Blatt. Anfang September hatte die Pforzheimer Polzei ein Zusammentreffen zwischen den beiden verfeindeten Rockerbanden MC Gremium und den Hells Angels verhindert.  

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Der 44-jährige Angeklagte soll Mitte März ohne jede Vorwarnung aus seinem Haus in Anhausen heraus geschossen haben. Er traf einen Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK), der Mann starb trotz seiner Schutzweste. Bei der Polizeiaktion sollte eigentlich das Haus des Rockers durchsucht werden.
Als er jemanden vor seiner Tür sah, dachte der Rocker nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft, einen Einbrecher erwischt zu haben. Schon einmal war bei dem Mann eingebrochen worden. Der 44- Jährige feuerte aus kurzer Distanz zweimal durch eine geschlossene Tür, die teilweise verglast war. Eine Kugel traf den Beamten seitlich am Oberkörper und verletzte mehrere Organe. Er verblutete. Die Schüsse hat der Angeklagte zugegeben, zu den Hintergründen schweigt er bislang.

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Die Durchsuchung war Teil umfangreicher Ermittlungen im Rockermilieu. Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt elf Männer und Frauen angeklagt, unter anderem wegen räuberischer Erpressung. So soll der 44-Jährige zusammen mit anderen Hells Angels ein früheres Mitglied des Rockerclubs aus dem Westerwald um 7000 Euro erpresst haben. Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass es in diesem Prozess nur um die Vorwürfe gegen den 44-Jährigen geht. Zunächst sind elf Verhandlungstage bis Ende November anberaumt.

In Rheinland-Pfalz stehen die Rocker unter verschärfter Beobachtung. Das liegt auch an einer tödlichen Attacke im Milieu, die im Juni 2009 für Aufsehen gesorgt hatte. Damals hatten drei Mitglieder der Hells Angels im Donnersbergkreis einen führenden Kopf der konkurrierenden Outlaws getötet. Zwei von ihnen wurden vom Landgericht Kaiserslautern zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Ernst Scharbach, hatte zur Anklageerhebung im Fall Anhausen gesagt: „Wir sehen mit großer Sorge, dass manche Gruppen in der Lage sind, ganze Gegenden zu terrorisieren.“ Er sieht die Justiz beim Kampf gegen Rockerkriminalität stärker in der Pflicht. Ziel müsse es sein, den Gruppen die Bildung einer kriminellen Vereinigung nachzuweisen, was wiederum ein Verbot erleichtern würde. Das sei aber mit einem größeren Aufwand verbunden, den die Justiz angesichts knapper Ressourcen oftmals scheue.

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