nach oben
27.01.2015

Prügelei bei Hobbyfußballturnier - Angeklagte entschuldigen sich

Konstanz. Sie sollen ihr bewusstloses Opfer bei einem Hobbyfußballturnier mehrfach gegen den Kopf getreten und geschlagen haben: Vor dem Landgericht Konstanz müssen sich seit Dienstag zwei 19 und 20 Jahre alte Männer wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Angeklagten räumten die Tat zum Prozessauftakt ein - und entschuldigten sich bei dem Opfer. «Es tut mir aufrichtig leid, was passiert ist», sagte einer der beiden jungen Männer.

Nach Schilderungen der Staatsanwältin geriet bei dem Hobbyturnier im Juli 2014 in Villingen-Schwenningen eine Rangelei völlig außer Kontrolle: Das 33 Jahre alte Opfer habe nach einem Foul einen Streit zwischen zwei Spielern schlichten wollen, als es von den Angeklagten angegriffen wurde. Die beiden Männer hätten den 33-Jährigen geschlagen und ihm - als er bewusstlos am Boden lag - mit ihren Stollenschuhen gegen den Kopf getreten.

Er habe «rot gesehen» und sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt, sagte einer der beiden Angeklagten. Auf die Frage der Staatsanwältin, warum er zugetreten habe, zuckte der 20-Jährige mit den Schultern. «Ich möchte darauf nicht antworten.»

Gewalt ist beim Amateurfußball immer wieder Thema. Allerdings müsse man die Relation im Blick behalten, sagte der Sprecher des Württembergischen Fußballverbands (WFV), Heiner Baumeister: «Wir haben etwa 5500 Spiele pro Wochenende allein in Württemberg, das sind pro Saison rund 130 000 Spiele. Dabei kommt es in 200 Spielen zu Gewaltvorfällen, die zum Spielabbruch führen.»

Ähnlich sieht es beim Badischen Fußballverband aus: In der aktuellen Saison habe es in der Hinrunde 2014/15 rund 45 Vorfälle gegeben, 14 Mal sei das Spiel abgebrochen worden, sagte ein Sprecher. «Setzt man die aktuellen Spielabbrüche in Relation zu den Spielen sind das 0,067 Prozent in der Hinrunde.»

Die Zahl der Vorfälle blieb nach Angaben der Verbände relativ konstant - allerdings habe sich die Intensität in den vergangenen Jahren verändert. «Die Faust im Gesicht war früher die absolute Ausnahme, heute kommt das schon mal vor», sagte Baumeister.

Das Opfer in Villingen-Schwenningen habe Verletzungen an der Halswirbelsäule, eine Gehirnerschütterung sowie bleibende Schäden im Innenohr erlitten, sagte die Staatsanwältin. Die Angeklagten hätten bei ihren Schlägen und Tritten den Tod des Mannes in Kauf genommen.

Der 33-Jährige gab vor Gericht an, sich an die Tat selbst nicht mehr erinnern zu können. Er habe einen Schlag abbekommen und danach das Bewusstsein verloren. Allerdings sei ihm schon vor der Prügelei aufgefallen, dass die Mannschaft der Angeklagten bei dem Hobbyturnier aggressiv aufgetreten war. Die Stimmung sei angespannt gewesen, sagte der 33-Jährige vor Gericht. «Es gab immer wieder Knatsch.»