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Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker ist als Mittäterin bei dem Anschlag im April 1977 angeklagt. Foto: dpa
Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker ist als Mittäterin bei dem Anschlag im April 1977 angeklagt. © dpa
09.06.2011

RAF-Mord an Buback im Kollektiv - «Der General muss weg»

STUTTGART. Nach Aussagen ehemaliger RAF-Mitglieder ist der Anschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback «im Kollektiv» geplant worden. Das sagte der Bundesanwalt und Abteilungsleiter Terrorismus Rainer Griesbaum bei der Verhandlung gegen Ex-RAF-Mitglied Verena Becker am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.

«Der General muss weg» hätten alle RAF-Mitglieder als das gemeinsame Ziel ausgegeben. Becker ist als Mittäterin bei dem Anschlag im April 1977 angeklagt. Nach Angaben von Griesbaum gibt es keine Hinweise, dass Becker selbst zu dem Anschlagskommando gehörte.

Der Bundesanwalt bezog sich auf Angaben der früheren RAF- Terroristen im Prozess gegen Brigitte Mohnhaupt Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar Christian Klar, die ab 1984 unter anderem wegen gemeinschaftlichen Mordes an Buback, Jürgen Ponto Jürgen Ponto und Hanns-Martin Schleyer Hanns-Martin Schleyer angeklagt waren. Griesbaum war als Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft Sitzungsvertreter in der Verhandlung.

«Wir brauchten niemanden, der uns aus den Zellen sagt, wir sollen Buback erschießen - das haben wir selbst gewusst», zitierte Griesbaum den Terroristen Günter Sonnenberg. Die RAF-Mitglieder hätten vor Gericht bestritten, dass ein Befehl zur Ermordung Bubacks von den damals inhaftierten «Stammheimern» um Andreas Baader Andreas Baader und Mohnhaupt gekommen sei. Buback war zum Ziel der RAF geworden, weil er nach den damaligen Überzeugungen der Terroristen die RAF vernichten wollte.

Der Anschlag sei notwendig gewesen, um die «Vernichtungswut» zu stoppen, gab Griesbaum die damaligen Aussagen von Knut Folkerts, Sonnenberg und Adelheid Schulz wieder. Für die Bundesanwaltschaft sei damals klar gewesen, dass es neben dem Anschlagskommando weitere Mittäter gegen habe - «nicht nur im Sinne der Kollektivität, sondern weil sie auch einen Tatbeitrag erbracht haben», sagte Griesbaum. So habe auch Mohnhaupt Wesentliches zur Anschlagsplanung beigesteuert.

Sonnenberg und Folkerts hatten in ihren Vernehmungen in dem laufenden Verfahren gegen Becker die Aussage verweigert. Zu der Frage, ob es eine Zusammenarbeit oder Einflussnahme des Verfassungsschutzes auf Becker geben könnte, sagte Griesbaum: «Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass es eine schützende Hand geben könnte.» Der Nebenkläger und Sohn des Ermordeten, Michael Buback, hat «keinen Zweifel an der Zusammenarbeit».

Bei dem Anschlag im April 1977 wurden Buback und seine zwei Begleiter ermordet. Seit 42 Verhandlungstagen versucht das Oberlandesgericht Stuttgart den Tatbeitrag Beckers zu klären. Michael Buback hält es nach der bisherigen Beweisaufnahme für wahrscheinlich, dass Becker die Schützin war. «Ob Becker oder nicht spielt keine Rolle. Mir geht es um die Wahrheit. Es ist auch in Ordnung, wenn sie es nicht war», sagte Buback in einer Verhandlungspause. dpa