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Ärger im Straßenverkehr? In Dagersheim bei Böblingen hat ein junges Pärchen seinem Ärger über einen anderen Autofahrer auf nachdrückliche Art Luft verschafft. Sie zündeten das Auto (Symbolbild) des anderen Fahrers an.
Ärger im Straßenverkehr? In Dagersheim bei Böblingen hat ein junges Pärchen seinem Ärger über einen anderen Autofahrer auf nachdrückliche Art Luft verschafft. Sie zündeten das Auto (Symbolbild) des anderen Fahrers an. © Symbolbild: dpa
19.11.2012

Rache für Gängelei im Verkehr: Auto angezündet

Mit der Lichthupe den Schleicher blenden, dem Raser den Stinkefinger zeigen, den Drängler ausbremsen, den weggeschnappten Parkplatz blockieren – viele Autofahrer sind dem ganz normalen Straßenverkehr scheinbar intellektuell und emotional nicht gewachsen. Sie sehen in jedem anderen Autofahrer Konkurrenten, die man maßregeln muss. Dass ein Autofahrer dem anderen jedoch das Auto anzündet, weil es vorher zu einer wechselseitigen Nötigung im Straßenverkehr gekommen ist, hat nicht nur die Böblinger Polizei überrascht.

Umfrage

Wegen wechselseitiger Gängelei ein Auto angezündet - wird der Straßenverkehr immer mehr zum Kriegsschauplatz?

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Nein 10%
Mir egal 5%
Stimmen gesamt 470

In der Nacht auf Sonntag um 0.40 Uhr wurde die Böblinger Polizei über ein brennendes Fahrzeug in Dagersheim informiert. Als die ersten Streifen vor Ort eintrafen, hatte die Feuerwehr Böblingen den Brand bereits vollständig gelöscht. Zu retten war der Opel Signum jedoch nicht mehr. Das Fahrzeug brannte im kompletten Heckbereich vollständig aus. Der Totalschaden beläuft sich auf rund 3500 Euro.

Die Ursache des Feuers war schnell gefunden: Eine verschmorte PET-Flasche mit Lunte lag im unmittelbaren Nahbereich des Fahrzeugs und deutete auf eine vorsätzliche Brandstiftung hin. Bei Zeugen- und Anwohnerbefragungen stellte sich schließlich heraus, dass die zunächst noch unbekannten Insassen eines weißen Audi mit dem Brand zu tun haben könnten. Dieses Fahrzeug sei kurz zuvor im Wohngebiet aufgefallen.

Eine weitere wichtige Beobachtung machte wenig später der Fahrer des Abschleppwagens, der den halb verkohlten und als Beweismittel sichergestellten Opel in den Innenhof der Polizeidirektion Böblingen transportierte. Auch er bemerkte einen weißen Audi, der ihm bis zur Polizei in Böblingen gefolgt war. Er konnte sich darüber hinaus das Kennzeichen des verdächtigen Fahrzeugs merken und teilte dieses den Beamten mit.

Am frühen Sonntagmorgen kurz vor 6 Uhr klickten in der Wohnung des Audi-Halters in Gärtringen die Handschellen. Sowohl die 24 Jahre alte Fahrzeughalterin, als auch deren 22-jähriger Lebensgefährte wurden von der Polizei vorläufig festgenommen. Bei der anschließenden Vernehmung stritt das Duo die Vorwürfe zunächst ab, verstrickte sich aber zunehmend in Widersprüche. Schließlich legten beide ein umfassendes Geständnis ab.

Ihr Motiv: Unmittelbar vor der Tat soll es zwischen dem Opel-Fahrer und ihnen zu einer wechselseitigen Nötigung im Straßenverkehr gekommen sein. Aus diesem Grund hätten sie die Verfolgung aufgenommen und den Opel wenig später am Wohnort des Halters in Brand gesteckt. Hierzu benutzten sie eine mit einer Lunte versehene Plastikflasche Spiritus, die sie auf einem der beiden hinteren Reifen deponierten und anzündeten. Beide Tatverdächtige wurden nach dem Abschluss der ersten Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt. pol