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Neun Stunden brauchten Polizisten, um zehn Greenpeace-Aktivisten von den Schienen in Karlsruhe zu befreien, auf denen demnächst Castor-Behälter mit radioaktivem Müll gen Ostsee rollen sollen. © dpa
Mit diversen Protestaktionen wehrten sich Greenpeace-Aktivisten gegen einen Castor-Transport mitten durch Karlsruhe. © dpa
15.02.2011

Radioaktiver Müll rollt durch Pforzheim und den Enzkreis

KKARLSRUHE/PFORZHEIM/MÜHLACKER. Der Castor-Behälter mit 56 Tonnen radioaktiven Abfalls aus der Wiederaufarbeitungsanlage WAK in Karlsruhe ist am Mittwochmorgen um 7 Uhr mit der Bahn in Pforzheim und um um 7.17 Uhr in Mühlacker gesichtet worden. Ziel ist das Zwischenlager Lubmin bei Greisfwald. Am Dienstag hatten 35 Greenpeace-Aktivisten die Gleise nahe der WAK in Karlsruhe stundenlang blockiert.

Bildergalerie: Anti-Castor-Protest: Greenpeace-Aktivisten ketten sich in Karlsruhe an Schienen fest

Zehn Atomgegner ketteten sich am Dienstagmorgen so gründlich an den Schienen fest, dass die Polizei sie nicht einfach losschneiden konnte. Die Beamten mussten die Gleise mit einer Flex durchtrennen und die Aktivisten dann herausziehen. Die letzte Angekettete wurde erst nach mehr als neun Stunden weggebracht. Diese Methode habe sich als «der Weg des geringsten Widerstandes» erwiesen, sagte ein Polizeisprecher.

Bildergalerie: Castor-Transport: Nächliche Schienenblockade aufgelöst

Die Gleise wurden auf einer Länge von zehn Metern anschließend wieder verschweißt und festgeschraubt - rechtzeitig für den noch in der Nacht zum Mittwoch geplanten Atommüll-Transport. Die Polizei rechnete von Beginn an nicht damit, dass die Greenpeace-Aktion den Abtransport der fünf Castoren verzögern würde. Unterdessen rüsteten sich im Umkreis des Zwischenlagers bei Lubmin Atomkraftgegner für die für Donnerstag geplante Ankunft der Castoren. Sie bauten Mahnwachen auf; die Polizei verstärkte ihre Präsenz an den Gleisen.

Die Karlsruher Aktivisten hatten sich gegen 4.30 Uhr direkt hinter dem Zaun, außerhalb des Geländes der ehemaligen Wiederaufarbeitungsanlage WAK, einzeln unter den Gleisen festgekettet. Hände und Unterarme hatten sie in Stahlrohren verborgen. Mit dieser Rohrkonstruktion hatten sie sich so fest verankert, dass die Beamten sie nicht gefahrlos losschneiden konnten.

Zehn weitere Atomgegner hatten sich zudem ans Tor der WAK-Anlage gekettet. Sie waren bereits am Morgen losgeschnitten und von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Auch in zwei Bäumen links und rechts der Strecke hatten sich je zwei Atomkraft-Gegner platziert und ein großes dreieckiges Transparent aufgehängt. Sie mussten am frühen Nachmittag aufgeben. Den Container, den Greenpeace mit einer ausgefahrenen Plattform auf den Schienen platziert hatte, konnte die Polizei ebenfalls entfernen.

Wie die Atomgegner es trotz der Überwachung schaffen konnten, so kurz vor dem Atommüll-Transport ausgerechnet die Gleise am Anfang der Strecke zu blockieren, ist unklar. Angaben zu den Kontrollen und zur Anzahl der daran beteiligten Polizisten wollte der Polizeisprecher nicht machen. «Eine lückenlose Überwachung kann es leider nicht geben», sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion. Das sei auch angesichts der Personallage und der Länge der Strecke - allein in Karlsruhe rund 10 Kilometer - nicht möglich. Den Blockierern drohen Strafverfahren - unter anderem wegen Verstoßes gegen das extra verhängte Versammlungsverbot.

Die Aktion war nach Angaben von Greenpeace kein Problem. «Vor dem Tor stand nur ein leerer Polizeiwagen mit Kamera», sagte Sprecher Jan Haase. Die Polizei sei dann etwa zehn Minuten später angerückt. «Da waren wir aber schon in Position.»

Am Donnerstag soll die brisante Fracht im Zwischenlager Nord nahe Lubmin ankommen. Dieses wird von der bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) betrieben. Transportiert werden fünf Castoren mit 140 Edelstahlbehältern voll mit radioaktivem Glasgemisch. Darin wurden 60.000 Liter der so genannten Atomsuppe aus der stillgelegten Versuchsanlage gebunden. Der Atommüll entstand zwischen 1971 bis Ende 1990, als in der WAK rund 207 Tonnen abgebrannter Kernbrennstoff wiederaufgearbeitet worden waren. dpa

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