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03.04.2015

Rasseln statt Kirchenglocken - Kirchengemeinden pflegen alten Brauch

Klappern, Rasseln, Rätschen: Von Gründonnerstag bis Karsamstag wird es in vielen katholisch geprägten Gemeinden in Baden-Württemberg laut. Dann ziehen die Menschen mit krachenden Holzinstrumenten durch die Straßen - ein alter Brauch als Ersatz für das Läuten der Kirchenglocken.

Nach der Messe am Gründonnerstagabend verstummen die Glocken der Gotteshäuser nach Angaben der Diözese Rottenburg-Stuttgart in vielen Regionen. Auch während der Gottesdienste bleiben sie stumm. Stattdessen wird mit Holzinstrumenten geklappert. Die hölzernen Geräusche, im Vergleich zum Klang der Glocken hart und unangenehm, stehen symbolisch für die Leiden Jesu. Außerdem sollen sie die Hammerschläge versinnbildlichen, mit denen er ans Kreuz genagelt wurde, erklärt Stefan Ziellenbach, Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Unteres Rottal (Landkreis Biberach).

Früher zogen die Menschen Karfreitag und Karsamstag klappernd und ratschend durch die Straßen, um die Gläubigen an die Gebets- und Gottesdienstzeiten zu erinnern. In einigen katholisch geprägten Gegenden Baden-Württembergs wird dieser alte Brauch immer noch gepflegt, beispielsweise in Villingen (Schwarzwald-Baar-Kreis), Tiengen am Hochrhein (Landkreis Waldshut), im Unteren Rottal und im Freiburger Stadtteil Ebnet.

In Bermersbach, einem Ortsteil der Gemeinde Forbach (Landkreis Rastatt) im Nordschwarzwald, ist das «Rasseln» ein fester Bestandteil des örtlichen Brauchtums. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es diese Tradition in dem 800-Seelen-Dorf. Ein Lehrer habe sie damals mit in das Dorf gebracht, erzählt Thorsten Halbig. Der 42-Jährige ist einer von knapp 30 Bermersbachern, die am Karfreitag und Karsamstag zur Rassel greifen. Diese handgefertigten Holzinstrumente sorgen für die typischen klappernden Geräusche.

Mit dem gleichnamigen Kinderspielzeug haben sie wenig gemein. Die traditionellen Bermersbacher Rasseln bestehen aus einem Holzkasten mit Drehgriff, den die «Rassler» mit einem Gurt auf der Brust tragen, ähnlich wie bei einem Akkordeon. Im Inneren des Kastens befindet sich eine Walze mit Zahnrädern. Durch rhythmisches Drehen entsteht das typische Rasselgeräusch. Die meisten der eingesetzten Instrumente werden seit Generationen in den Familien vererbt. Einige hätten sich in mühsamer Kleinarbeit aber auch Rasseln selbst gebaut, erzählt Halbig.

Kinder haben andere Instrumente, die sogenannten Klepperle, erklärt Claudia Wunsch, die langjährige Ortsvorsteherin des kleinen Schwarzwalddorfs Bermersbach. Die Klepperle bestehen aus einem an einem Stab angebrachten Brett mit einem kleinen Holzhammer, der beim Schütteln hin und her wippt und klappert. Wie Halbig sagt, ist der Brauch bei den Jüngeren im Dorf beliebt. Früher sei er eine reine Männerdomäne gewesen, mittlerweile gebe es aber auch Frauen und Mädchen unter den «Rasslern».

Insgesamt siebenmal wird am Karwochenende durchs Dorf gezogen. Die Teilnehmer müssen früh aufstehen: Die erste Tour beginnt um 6.00 Uhr morgens. Auch für den Rest des Ortes ist an den beiden Tagen, an denen die «Rassler» unterwegs sind, an Ausschlafen nicht zu denken. Die Rasseln sind extrem laut. Die knapp 30 Teilnehmer werden aufgeteilt in drei Gruppen jeweils an einem Ende des Dorfes loslaufen - eine Art lautstarke Sternwanderung, erklärt Wunsch. In der Nacht von Karsamstag zu Ostersonntag - die sogenannte Osternacht - werden die Holzrasseln und Klepperle von den Kirchenglocken abgelöst. Dann kehrt wieder Ruhe ein in Bermersbach.