Ludwigsburg/Stuttgart. Rund 450 Einsatzkräfte waren an der minutiös geplanten Durchsuchungs- und Festnahmeaktion zur Bekämpfung des organisierten Rauschgifthandels beteiligt, in deren Verlauf die Polizei am Dienstag ab 6 Uhr zeitgleich 22 Objekte in Ludwigsburg, Remseck, Markgröningen, Schwieberdingen, Bönnigheim und Kirchheim sowie in Stuttgart durchsucht und 17 Mitglieder und Sympathisanten der rockerähnlichen Gruppierung Black Jackets festgenommen hat.
Bei der Durchsuchung der Wohn- und Gewerberäume sowie des Clubheims der Gruppierung wurden neben mehreren Tausend Euro Bargeld über 100 Gramm Amphetamin, kleinere Mengen Kokain, Marihuana und Anabolika sowie mehrere PC und umfangreiche schriftliche Unterlagen sichergestellt. Daneben fanden die Einsatzkräfte Schreckschusswaffen, Baseballschläger und andere Schlagwerkzeuge sowie 1.200 Schuss Munition des Kalibers 22 auf.
Während der Festnahme eines Tatverdächtigen in Stuttgart-Stammheim erlitt eine Angehörige einen Schwächeanfall und musste ärztlich versorgt werden. Darüber hinaus sind während des gesamten Einsatzverlaufs keine weiteren Personen zu Schaden gekommen. Tödlich endete die Aktion allerdings für einen Staffordshire Bullterrier. Das als Kampfhund geltende Tier hatte sich den Einsatzkräften beim Betreten der Wohnung eines Tatverdächtigen in Stuttgart-Zuffenhausen entgegengestellt und musste erschossen werden. Ein zweiter Kampfhund wurde in einer Wohnung in Kirchheim am Neckar beschlagnahmt und ebenso wie drei weitere Vierbeiner zunächst in einem Zwinger untergebracht.
Nachdem die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen zehn der 17 Festgenommenen bereits Haftbefehl beantragt hatte, hat sich deren Zahl auf nunmehr elf erhöht. Bei der Durchsuchung der Wohnung eines 24-Jährigen in Kirchheim am Neckar entdeckten die Ermittler Schmuckstücke im Wert von etwa 1.000 Euro, die Wohnungseinbrüchen im Landkreis Ludwigsburg zugeordnet werden konnten. Der 24-Jährige steht im Verdacht, mit drei Komplizen aus der Gruppierung in den vergangenen Wochen mehrere Wohnungseinbrüche verübt und dabei Diebesgut im Wert von etwa 4.000 Euro erbeutet zu haben. Die Ermittlungen hierzu dauern noch an.
Die Haftbefehle gegen den 28-jährigen, türkischen Präsidenten des Black-Jackets Chapters Ludwigsburg sowie zwei weitere Führungsmitglieder, einen 32-jährigen Türken und einen 27-jährigen Deutschen türkischer Abstammung, sind bereits am frühen Dienstag Nachmittag vom Haftrichter des Amtsgerichts Stuttgart in Vollzug gesetzt worden. Die Tatverdächtigen wurden in Justizvollzugsanstalten eingewiesen.
Über den Vollzug der Haftbefehle gegen die übrigen acht Tatverdächtigen wird der Haftrichter am Dienstag und Mittwoch entscheiden.
Nachdem sich Anfang des Jahres 2010 erste Hinweise darauf ergeben hatten, dass sich eine Gruppierung der Black Jackets im Landkreis Ludwigsburg zu etablieren versuchte, hatte im Mai 2011 ein Geschäftsmann aus Kornwestheim bei der Kriminalpolizei einen Fall von Schutzgelderpressung angezeigt.
Ein zunächst unbekannter Täter hatte sich ihm gegenüber als hochrangiges Mitglied der Black Jackets ausgegeben und ihn erpresst. Im Verlauf der folgenden Ermittlungen wurde ein 28-jähriger Libanese nach einer Geldübergabe festgenommen. Gegen den Tatverdächtigen, der nicht nur die Erpressung, sondern auch seine Mitgliedschaft bei den Black Jackets einräumte, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart Haftbefehl erlassen.
Während der Ermittlungen zu dem Erpressungsfall ergaben sich sowohl Hinweise auf einen von mehreren Mitgliedern der Gruppierung organisierten Rauschgifthandel mit Kokain und Cannabis-Produkten, als auch auf den Besitz von scharfen Schusswaffen. dpa


