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Bei einer Razzia im Raum Stuttgart wurden Räume von Mitglieder der United Tribuns durchsucht. Diese Aktion war der vorläufige Höhepunkt eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Zuhälterei und Vergewaltigung.
Bei einer Razzia im Raum Stuttgart wurden Räume von Mitglieder der United Tribuns durchsucht. Diese Aktion war der vorläufige Höhepunkt eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Zuhälterei und Vergewaltigung. © Symbolbild: dpa
08.11.2016

Razzia bei United Tribuns - Ermittlungen wegen Menschenhandels

Stuttgart. Mit einer Razzia bei Mitgliedern und Unterstützern der der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns vorwiegend im Raum Stuttgart fand ein schon länger andauerndes, umfangreiches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Zuhälterei und Vergewaltigung einen vorläufigen Höhepunkt. Bei den Durchsuchungen wurde nicht nur umfangreiches Beweismittel, darunter Computer, Datenträger, Smartphones, Geschäftsunterlagen und typische Rockerinsignien sichergestellt, es gab auch eine Verhaftung.

Unter der Leitung des Landeskriminalamts durchsuchten am Dienstagmorgen über 100 Einsatzkräfte zeitgleich 13 Wohnungen und Geschäftsräume in Stuttgart, Fellbach und Konstanz. Hierbei wurde ein 22-jähriger Deutscher festgenommen, der dem Haftrichter vorgeführt wird. Bereits am 3. November waren im Zuge dieses Ermittlungsverfahrens in Stuttgart und Neu-Ulm/Bayern zwei Kroaten im Alter von 32 und 41 Jahren, eine 40-jährige Kroatin und eine 22-jährige Deutsche festgenommen worden. Nach deren Vorführung beim Haftrichter wurden drei Haftbefehle in Vollzug gesetzt.

Die festgenommenen Beschuldigten sollen Mitglieder oder Unterstützer der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns sein. Ihnen wird vorgeworfen, mehrere Frauen durch Drohung und Gewaltausübung zur Prostitution gezwungen haben. Dabei schüchterten sie die Frauen insbesondere durch ihre Gewaltbereitschaft und Zugehörigkeit zu der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns ein. Die Frauen wurden über einschlägige Internetplattformen angeboten und mussten in Bordellen, Terminwohnungen und Hotels in ganz Deutschland der Prostitutionstätigkeit nachgehen. Hierbei überwachten die Beschuldigten die Internetprofile der Prostituierten, vereinbarten Termine mit Freiern und legten Preise für Prostitutionsleistungen fest. Die Einnahmen aus ihrer Prostitutionstätigkeit mussten die Frauen zum größten Teil abgeben. Eine Unterbrechung der Tätigkeit bei Krankheit oder Schmerzen gestatteten die Beschuldigten nicht.

Die Durchsuchungen und Festnahmen erfolgten im Zuge eines Ermittlungsverfahrens des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Abteilung Organisierte Kriminalität, wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Zuhälterei und Vergewaltigung. Bereits bei einer Razzia in einem Großbordell in Leinfelden-Echterdingen im November 2014 hatten sich erste Hinweise auf die jetzt Festgenommenen ergeben, die das LKA in einer Ermittlungsgruppe gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Stuttgart aufgearbeitet hat. An den Maßnahmen waren außer LKA-Ermittlern auch Kräfte des Polizeipräsidiums Einsatz und ein Staatsanwalt beteiligt. Die Auswertung der Beweismittel sowie Ermittlungen gegen weitere Verantwortliche der United Tribuns dauern an. 

Rockerkrieg in Pforzheim

Auseinandersetzungen zwischen Hells Angels und United Tribuns sind den Menschen in Pforzheim noch gut in Erinnerung. Ende 2010 kam es auf dem Pforzheimer Güterbahnhof-Gelände zu einer Massenschlägerei. Rund 40 Rocker schlugen sich auf einem Parkplatz mit Macheten und Baseballschlägern, ein von einem Messerstich verletzter Mann schwebte in Lebensgefahr – und es fiel ein Schuss aus einer scharfen Waffe. Die Kugel schlug zum Glück in einem abgestellten Lieferwagen ein, in dem niemand saß.

Von da an gab es polizeiliche Untersuchungen und Razzien bei den beiden Gruppen. Die Hells Angels traf es mit Wohnungsdurchsuchungen gleich zweimal, im Dezember 2010 und im März 2012, während die United Tribuns bei einer Razzia im Februar 2011 unter anderem Waffen wie eine scharfe Maschinenpistole mit Schalldämpfer abgegeben mussten. Höhepunkt der Aktionen: Der Pforzheimer Verein der Hells Angels wurde verboten. Nach einigen Prozessen hört man im Augenblick nicht mehr viel von den Höllenengeln. Um die United Tribuns ist es in Pforzheim ebenfalls ruhiger geworden. Die Black Jackets, eine dritte Gruppe, die im Türstehermilieu der Region um Pforzheim mitmischte und rockerähnlich strukturiert war, verschwanden in der Bedeutungslosigkeit, nachdem zuerst die Jugendgruppe aufgelöst und der Gruppenführer zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Nur ganz am Rande spielten auch die Rocker vom Gremium MC eine Rolle in Pforzheim. Sie scheiterten zum Beispiel mit einem Motorrad-Korso durch die Stadt, der wohl als Provokation der Hells Angels gedacht war. Stress mit Mitgliedern der Bandidos, die sich anderswo in Deutschland heftige Gefechte mit den Hells Angels lieferten, gab es in Pforzheim mangels einer Bandidos-Gruppe nicht. In der weiteren Region hat zuletzt die Gruppe der Red Legion für Aufsehen und Polizeieinsätze gesorgt. In Pforzheim jedoch sind sie noch nicht bemerkenswert aufgefallen.

Im Sommer 2016 machten die „Osmanen“ in Pforzheim von sich reden, eine mutmaßlich aus Istanbul gesteuerte türkisch-nationale Kuttenträger-Vereinigung. In einer Pforzheimer Disko auf der Wilferdinger Höhe wollten sie ein lokales Chapter – gewissermaßen einen Ortsverein – gründen. Die Polizei, die mit starken Kräften vor Ort war und die Personalien der „Osmanen“ aus ganz Deutschland aufnahm, sprach von etwas über 200 Teilnehmern. Bisher, so Erkenntnisse des Landeskriminalamts (LKA), gab es sechs Chapter in Baden-Württemberg: in Mannheim, Heidelberg, Stuttgart, Heilbronn, Konstanz und Ravensburg. Geschuldet war das Großaufgebot der Ordnungsmacht auch der Tatsache, dass man ein mögliches Aufeinandertreffen der „Osmanen“ mit Mitgliedern der kurdisch dominierten, ebenfalls rockerähnlichen Vereinigung „Bahoz“ unbedingt verhindern wollte.