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Innenminister Heribert Rech gibt nach dem umstrittenen Polizeieinsatz gegen Stuttgart-21-Kritiker die Schirmherrschaft über die «Stiftung gegen Gewalt an Schulen» in Winnenden ab.
Rech nicht mehr Schirmherr von Winnenden-Stiftung © dpa
09.11.2010

Rech nicht mehr Schirmherr von Winnenden-Stiftung

STUTTGART/WINNENDEN. Innenminister Heribert Rech gibt nach dem umstrittenen Polizeieinsatz gegen Stuttgart-21-Kritiker die Schirmherrschaft über die «Stiftung gegen Gewalt an Schulen» in Winnenden ab. Er habe «mit großem Bedauern» zur Kenntnis genommen, dass die Stiftung in einem Internetforum der «Parkschützer» nach dem Einsatz am 30. September in die Kritik geraten sei, schrieb Rech in einem Brief an Stiftungsvorstand Hardy Schober, welcher der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag vorlag.

Die «Parkschützer» sind eine Aktivistengruppe gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. Im Forum sei gar damit gedroht worden, der Stiftung nicht mehr zu spenden, so lange Rech Schirmherr bleibe. Der Minister schrieb, das sei Teil einer Diffamierungskampagne, doch: «Vor dem Hintergrund der Belastung, der die Stiftung damit ausgesetzt ist, bin ich zu dem Entschluss gekommen, die Schirmherrschaft niederzulegen.»

«Wir sind wegen der Vorwürfe auf Rech zugegangen und haben ihn um eine Stellungnahme gebeten», sagte Stiftungssprecher Carlos Bolesch der dpa am Dienstag in einer Sitzungspause des Prozesses gegen den Vater des Amokläufers Tim K. Er bestritt aber eine Schober zugeschriebene Aussage in dem Forum, dass ein Ausschlussverfahren gegen den Minister gelaufen sei. «So etwas gibt es bei uns gar nicht», sagte er.

Die Stiftung habe mit dem Innenministerium reibungslos zusammengearbeitet. «Jetzt geht es aber darum, nach vorne zu schauen», sagte Bolesch. «Am 7. Dezember werden wir in einer Kuratoriumssitzung Vorschläge für einen neuen Schirmherrn machen.»

Rech war seit dem Gründungstag am 15. November 2009 Schirmherr der Stiftung. Diese geht auf das Aktionsbündnis der Hinterbliebenen des Amoklaufes an der Albertville-Realschule in der Kleinstadt im Rems- Murr-Kreis zurück. Sie will unter anderem Notrufe für Eltern und Schüler, Fortbildungen für Lehrer und Klassenwettbewerbe um die beste Gewaltprävention finanzieren. Tim K. hatte am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen zuerst 15 Menschen und dann sich selbst erschossen.