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In Esslingen gab es bei einem Revierstreit zwischen den Türstehercliquen Red Legions und Black Jackets einen Toten. In Pforzheim haben sich die Black Jackets nach starkem Fahndungsdruck selbst aufgelöst. © PZ-Archiv/Seibel
26.12.2012

Red Legions gegen Black Jackets: 1 Toter, 7 in U-Haft

Nach der tödlichen Auseinandersetzung zweier im Türsteher-Milieu aktiven rockerähnlichen Gruppen am 21. Dezember in Esslingen, bei der ein 22-Jähriger durch mehrere Messerstiche getötet, fünf Männer schwer und fünf weitere leicht verletzt wurden, haben die Beamten der Sonderkommission Obertor weitere Ermittlungserfolge zu verzeichnen. Bislang konnten die Beamten sieben mutmaßliche Täter festnehmen, die jetzt wegen gemeinschaftlichen Mordes in Untersuchungshaft sitzen.

Bei der Massenschlägerei, bei der auch mehrfach mit Messern zugestochen wurde, haben Mitglieder der nur im Raum Esslingen/Stuttgart/Ludwigsburg beheimateten Clique Red Legions gegen Mitglieder der einstmals auch in Pforzheim aktiven Black Jackets gekämpft. Beide Gruppen sind international besetzt: Neben Türken finden sich auch Iraner und Griechen darunter.

Bei dem Kampf soll es um einen Revierstreit der beiden rockerähnlichen und im Türsteher-Milieu agierenden Gruppen gegangen sein. Die Spannungen zwischen beiden Gruppen bestehen schon länger. Welche kriminellen Machenschaften in deren Revieren ablaufen, wird vielleicht im Zuge der Mordermittlungen ebenfalls ans Tageslicht kommen. So wie es bis jetzt aussieht, scheint die Bedrohung als auslösendes Moment für die Messerstecherei von den Red Legions ausgegangen zu sein. Einige von ihnen sollen in ein Lokal mit Gästen der Black Jackets gegangen sein und die Gegner gebeten haben, doch nach draußen vor die Tür zu kommen, um einen Streit zu klären. Vor dem Lokal eskalierte die Situation.

Mindestens 20 Angreifer der Red Legions sollen auf etwa sieben bis zehn Black Jackets losgegangen sein. Am Ende starb am vergangenen Samstagabend ein 22-jähriges Black-Jacket-Mitglied durch mehrere Messerstiche. Bis auf den schwer verletzten 21-jährigen Bruder des Getöteten konnten alle Verletzten, die stationär in Krankenhäuser aufgenommen werden mussten, die Kliniken inzwischen wieder verlassen.

Noch am Sonntagabend konnten die Kriminalbeamten einen polizeibekannten 23-jährigen türkischen Staatsangehörigen aus dem Kreis Esslingen festnehmen. Am selben Abend stellte sich der 20-jährige Bruder des Mannes – der von der Inhaftierung erfahren hatte – auf Anraten seiner Anwältin bei der Stuttgarter Polizei. Auch er ist der Polizei kein Unbekannter. Nach intensiven Ermittlungen nahmen die Fahnder der Sonderkommission dann am Vormittag des Heiligen Abend zwei weitere 21 und 23 Jahre alte Männer fest. Insgesamt sitzen nun sieben Männer in Untersuchungshaft.

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In Pforzheim ist es um die Black Jackets ruhig geworden. Vor allem deren Bandennachwuchs hatte für Aufregung und Polizeieinsätze gesorgt. Zuerst wurde die Jugendgruppe und dann nach der Verhaftung von Führungspersonal die Black Jackets selbst aufgelöst. Was bei den Black Jackets aus der Gruppe heraus eigenständig getan wurde, musste bei den Pforzheimer Hells Angels erzwungen werden. Das Vereinsverbot der Rocker wurde nach zwei Razzien ausgesprochen. Eine dritte Razzia sollte Beweise sammeln, um die Einhaltung des Vereinsverbots kontrollieren zu können.

Eine ähnliche Auseinandersetzung wie in Esslingen gab es bei der Massenschlägerei der Hells Angels mit Mitgliedern der Türsteherclique United Tribuns. Auch da wurde ein Mann durch Messerstiche schwer verletzt. Außerdem fiel ein Schuss aus einer scharfen Waffe. Scharf geschossen wurde später auf den Eingangsbereich einer Pforzheimer Diskothek. Aus einem fahrenden Mercedes heraus soll mit einer Maschinenpistole gefeuert worden sein. Die Lage in Pforzheim habe sich beruhigt, heißt es aus Polizeikreisen, wenngleich nicht alle dem Frieden so richtig trauen wollen.

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