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31.07.2015

Regierung will Ausbreitung des Q-Fiebers eindämmen

Stuttgart (dpa/lsw) - Zur Eindämmung des im Südwesten grassierenden Q-Fiebers hat sich nun das Agrarministerium eingeschaltet und Kontakt zum Landesschafzuchtverband aufgenommen. «Wir brauchen ein Maßnahmenbündel, die Impfung der Tiere allein reicht nicht aus», sagte Gerhard Kuhn, verantwortlich für Tierseuchenbekämpfung im Agrarministerium, am Freitag in Stuttgart. Die Krankheit geht für den Menschen meist mit Symptomen wie Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen einher und verläuft nur vereinzelt lebensgefährlich. Süddeutschland ist vom Q-Fieber weit stärker betroffen als der Norden.

Das Fieber überträgt sich unter anderem über Schafe und Kühe auf den Menschen. Derzeit hat es gleich in mehreren Regionen Baden-Württembergs Menschen infiziert. «Wir haben immer wieder einzelne Ausbrüche, die mehrere Personen betreffen», sagte Kuhn.

Allein in den vergangenen dreieinhalb Wochen sind laut Landesgesundheitsamt 39 Menschen im Südwesten am Q-Fieber erkrankt. Der Spitzenreiter sei mit 19 Fällen der Zollernalbkreis, teilte die Behörde den «Stuttgarter Nachrichten» (Freitag) mit. Das Landratsamt berichtet von 45 gemeldeten Fällen seit Mitte Mai. Die Infektionsquelle sei vermutlich eine Schafherde aus dem Landkreis. Die Zahl der Infektionen klinge aber bereits ab.

 

In Horb am Neckar (Kreis Freudenstadt) sind sechs Fälle bestätigt, zudem gibt es einen Verdachtsfall, wie der Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Freudenstadt, Josef Bendak, am Freitag sagte. Zur Sicherheit hatte die Stadt das Dorffest im Ortsteil Dießen an diesem Wochenende abgesagt. Im Verdacht steht dort eine Schafherde als Quelle der aktuellen Infektionswelle.

Der Q-Fieber-Erreger wird laut Agrarministerium bei erkrankten Tieren massiv bei Fehl- und Totgeburten ausgeschieden. Er wird dann entweder über infizierten Staub eingeatmet oder durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren wie Schafen und Kühen verbreitet. «Jetzt ist es extrem trocken, da kann sich Staub bilden, und sie können sich infizieren», sagt Tierseuchenexperte Kuhn. «Wichtig ist, dass vorbeugend was gemacht werden muss.»

Werden Infektionen in einer Schaf- oder Ziegenhaltung entdeckt, sei die Geburt von Lämmern in geschlossenen Ställen sinnvoll. Gesundheits- und Veterinärämter raten betroffenen Schäfern unter anderem zur Hygiene in den Ställen, zu Blutuntersuchungen und besonderer Vorsicht beim Scheren der Tiere. «Die Schafbetriebe müssen schauen, dass sie keinen Infektionsherd für Menschen darstellen», forderte Kuhn.

Das Agrarministerium will aber keine Impfpflicht für Schafe einführen. «Konkrete Pläne zur Einführung einer Impfpflicht gibt es derzeit nicht», teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Eine Impfung sei zwar möglich, bisher gebe es aber weder auf Bundes- noch auf Landesebene verpflichtende Regelungen dafür. «Es wird ja schon geimpft in Beständen, die durchseucht sind», sagte Kuhn.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Berufsschäfer, Günther Czerkus, sagte, bei Schafen sei die Krankheit nur sehr schwer festzustellen, da die Tiere keine besonderen Symptome wie Fieber oder eine erhöhte Atemfrequenz zeigten. Selbst in einem gut kontrollierten Schafbetrieb sei der Erreger schon über lange Zeit unentdeckt geblieben. «Dass es nicht auffällt, erhöht natürlich die Gefährdung für Menschen», sagte Czerkus. Allerdings sei das auch der Grund, warum es keine flächendeckenden Gegenmaßnahmen gebe. Tauchten in einer Region gehäuft Fälle von Q-Fieber auf, setzten Schäfer auch Medikamente ein.

Als Infektionsursache unter Tieren gilt laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) die Schafszecke (Dermacentor marginata). Wegen deren Verbreitung vor allem in Süddeutschland sei die Region stärker betroffen als Norddeutschland. Das deckt sich auch mit den beim RKI registrierten Fällen infizierter Menschen: In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen sind die Zahlen traditionell hoch.

Bislang hat das Robert Koch-Institut (RKI) in diesem Jahr 58 Fälle aus dem Südwesten in seiner Datenbank aufgenommen. Darunter sind aber noch nicht alle aktuellen. Im vergangenen Jahr war die Zahl in Baden-Württemberg mit 78 Infektionen von 262 deutschlandweit am höchsten. Zur Einordnung: 2010 hatten Landesbehörden dem RKI 228 Q-Fieber-Patienten aus Baden-Württemberg gemeldet - der Spitzenwert seit 2001 für das Land.

Laut BfR wird das Risiko, durch eine lebensmittelbedingte Infektion an Q-Fieber zu erkranken, nach wie vor als niedrig eingeschätzt. Eine Übertragung über Lebensmittel tierischer Herkunft wie Rohmilch, Roh- milchweichkäse, Butter aus Rohmilch und das Fleisch infizierter Tiere sei aber nicht vollständig auszuschließen.

«Da der Erreger des Q-Fiebers in der Umwelt weit verbreitet ist, werden sich menschliche Erkrankungen nicht völlig verhindern lassen», teilte eine Sprecherin des Zollernalbkreises mit. Das Q-Fieber spreche aber sehr gut auf antibiotische Therapien an.