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Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Professor Karl Joachim Ebeling spricht am 25.02.2013 in Stuttgart (Baden-Württemberg) während eines Interviews. Nach den Plagiatsfällen von Politikern warnt der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Ebeling, vor Generalverdächtigungen.
Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Professor Karl Joachim Ebeling spricht am 25.02.2013 in Stuttgart (Baden-Württemberg) während eines Interviews. Nach den Plagiatsfällen von Politikern warnt der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Ebeling, vor Generalverdächtigungen. © dpa
02.04.2013

Rektoren-Chef: Doktoranden mehr Vertrauen entgegenbringen

Stuttgart. Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Professor Karl Joachim Ebeling spricht am 25.02.2013 in Stuttgart (Baden-Württemberg) während eines Interviews. Nach den Plagiatsfällen von Politikern warnt der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Ebeling, vor Generalverdächtigungen.

«Ein Unternehmen ist nur auf Vertrauens- und nicht auf einer Kontrollbasis erfolgreich zu führen - das gilt auch für Hochschulen», sagte Ebeling der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Alles andere wäre aus Sicht des Präsidenten der Universität Ulm ein «Armutszeugnis für unsere Gesellschaft», zumal Täuschungsversuche äußerst selten vorkämen.

«Der Anteil der Doktorarbeiten, bei denen Fehlverhalten nachgewiesen werden kann, liegt bei unter einem Promille.» Bei 400 Promotionen pro Jahr sei in Ulm derzeit gerade mal ein Täuschungsfall bekannt. Deshalb dürfe nicht jeder, zumal nicht jeder Politiker mit Doktortitel unter Generalverdacht genommen werden. «Ich halte das für übertrieben», sagte Ebeling, der seit einem Jahr an der Spitze der Uni-Rektoren steht.

Auch die Autorenschaft von Doktorarbeiten sei durch Prüfsoftware nicht abzusichern. Hinzu komme, dass in naturwissenschaftlichen Arbeiten Täuschungen, etwa durch Manipulation von Messergebnissen, nicht erfasst werden könnten. Damit stelle sich auch die Gerechtigkeitsfrage. Denn dann gäbe es zwangläufig Unterschiede zwischen der Prüfung von Dissertationen in den Geistes- und Naturwissenschaften, meinte der promovierte Physiker.

In der Diskussion kommt Ebeling die Frage nach der Qualität von Doktorarbeiten zu kurz. «Der Erkenntniswert einer wissenschaftlichen Arbeit spielt dabei eine völlig untergeordnete Rolle», kritisierte er. Dabei sei dies doch gerade das entscheidende Leistungskriterium, nicht das Erfüllen von Formalia. Allerdings sei der Fall des zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) glasklar gewesen. Anders sieht Ebeling das bei der ehemaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Hier halte er es mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der sich über eine «Skandalisierung der fehlenden Fußnoten» in Schavans Doktorarbeit mokiert hatte, sagte Ebeling, der seit 2003 die Universität Ulm leitet.

Überdies gebe es an den Universitäten «ganz klare Regeln». Die Annahme als Doktorand werde von der Fakultät deklariert, nachdem sich ein Hochschullehrer bereiterklärt habe, die Arbeit zu betreuen. Es schließe sich in der Regel eine mehrjährige, enge Zusammenarbeit an, zum Abschluss des Verfahrens werde zudem ein Zweitgutachter hinzugezogen. Geregelt sei auch, welche Hilfsmittel genutzt werden dürfen. Eine besonders intensive Betreuung bestehe in strukturierten Promotionsverfahren wie in Doktorandenschulen und Promotionskollegs.