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Pilot Thomas Roth am Steuer von Rettungshubschrauber «Christoph 51» © dpa
28.12.2012

Retter aus der Luft: Hubschrauber "Christoph 51" im Einsatz über dem Südwesten

Der Tag beginnt für die Besatzung von «Christoph 51» mit einem Herzinfarkt. Eine ältere Frau klagt über Schmerzen in der Brust, heißt es aus der Leitstelle. Notärztin Anette Henninger schultert ihren Medikamenten-Rucksack und eilt zum Hubschrauber, in dem schon Pilot Thomas Roth und Rettungsassistent Georg Berg startbereit warten. Nur etwa zwei Minuten nach dem Einsatzbefehl ist der Helikopter der DRF Luftrettung in der Luft und dreht knatternd ab. Ziel: Leben retten - irgendwo im Südwesten.

Bildergalerie: Rettungshubschrauber «Christoph 51» im Einsatz

«Man weiß oft nicht, was einen genau erwartet», sagt die zierliche Frau mit der Brille. «Das ist die Herausforderung aber auch das Reizvolle an dem Job.» Kurze Zeit später bereitet Pilot Roth schon die Landung vor. Da die Straße in dem Stuttgarter Wohngebiet zu schmal ist, setzt der rote Hubschrauber auf einer Wiese etwas entfernt auf. Henninger und Roth laufen zum Einsatzort. Die Ärztin diagnostiziert einen Herzinfarkt, die Patientin muss auf dem schnellsten Weg in eine Klinik.

Rund 1000 Mal im Jahr hebt «Christoph 51», der für Stuttgart und Umland zuständig ist, jedes Jahr ab. Neben Stuttgart, betreibt die DRF in Karlsruhe, Leonberg, Mannheim, Villingen-Schwenningen, Freiburg und Friedrichshafen Luftrettungsstationen. Zusammen kamen sie auf 9128 Einsätze im vergangenen Jahr, das sind fünf Prozent mehr als noch 2010 und fast 35 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Bundesweit flogen die roten Retter mit 35 075 Einsätzen sogar so viel wie nie zuvor.

«Bundesweit spezialisieren sich Kliniken immer stärker auf die Behandlung bestimmter Krankheitsbilder», erklärt DRF-Vorstand Steffen Lutz den Anstieg. Deshalb müssten häufiger Patienten mit dem Hubschrauber auf dem schnellsten Wege in weiter entfernte Spezialkliniken verlegt werden. Der Ärztemangel führe zudem besonders im ländlichen Raum zu Engpässen im Rettungsdienst, ergänzt Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC-Luftrettung, die mit «Christoph 22» in Ulm ebenfalls eine Rettungsstation betreibt. Auch durch den demographische Wandel steigen die Rettungseinsätze. «Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen», sagt Bruder.

«Besonders im Sommer sind wir oft nur zehn Minuten auf der Station, bevor der nächste Einsatz kommt», sagt Pilot Roth zurück auf der Rettungsstation. Langweilig werde es aber auch ohne Einsätze nicht: «Christoph 51» muss gewaschen und getankt werden. Etwa fünf Liter Kerosin schluckt er im Schnitt pro Luftminute. «Der hat schon einen gesegneten Appetit», sagt der kräftig gebaute 43-jährige Pilot mit den kurzen Haaren und schaut fast ein wenig stolz auf den Hubschrauber vom Typ BK 117. Die Kosten der Einsätze tragen die Krankenkassen. Laut AOK Baden-Württemberg kostet eine Flugminute rund 55 Euro. Je nach Strecke fallen im Schnitt pro Einsatz 2100 Euro an.

Auch Notärztin Henninger und Assistent Berg müssen den Einsatz nachbereiten, Berichte schreiben und die Medikamentenkoffer wieder auffüllen. Wenig später kommt schon der nächste Einsatz, das Team muss einen Schlaganfallpatienten vom Krankenhaus in eine Spezialklinik transportieren. Sogenannte Intensivverlegungen sind das Kerngeschäft von «Christoph 51».

Notärztin Henninger fliegt seit mehr als zehn Jahren mit dem Hubschrauber, neben Schichten im Krankenhaus und auf dem Rettungswagen. Luftrettung sei für einen Notarzt besonders interessant, sagt die 44-Jährige. «Hier wird einfach das ganze Spektrum der Medizin an einem Tag abgefordert: Vom Knochenbruch bis zum Schlaganfall.» Schwere Fälle beschäftigten einen auch nach Feierabend. «Besonders wenn Kinder involviert sind, hakt man das nicht so einfach nach Feierabend ab.» Ihren eigenen drei Kindern erzähle sie meist nicht, was sie am Tag erlebt habe. Zum Beispiel vom nervenaufreibenden Einsatz bei einem Lkw-Fahrer, dessen Lungenarterie verletzt wurde. Henninger rettete ihm das Leben.

Im Hubschrauber müsse man sich auf seine Kollegen blind verlassen können, sagt sie. «Wir arbeiten hier auf engstem Raum zusammen», bestätigt Assistent Berg. «Da muss alles hundertprozentig passen. Man kann halt nicht einfach kurz rechts ran fahren.»

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