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Die junge Frau aus Straßburg hatte im Dezember mit starken Schmerzen und Blutungen den Notruf gewählt, wie die Lokalzeitung «L'Alsace» berichtete.
Die junge Frau aus Straßburg hatte im Dezember mit starken Schmerzen und Blutungen den Notruf gewählt, wie die Lokalzeitung «L'Alsace» berichtete. © Symbolbild dpa
09.05.2018

Rettungsdienst nimmt Notruf nicht ernst - Elsässerin stirbt

Straßburg. Der Tod einer jungen Frau im Elsass, deren Notruf zuvor nicht ernst genommen worden war, hat in Frankreich Entrüstung ausgelöst.

«Ich bin zutiefst empört über die Todesumstände von Naomi Musenga im Dezember», schrieb Frankreichs Gesundheitsministerin Agnès Buzyn am Dienstagabend auf Twitter.

Die junge Frau aus Straßburg hatte im Dezember mit starken Schmerzen und Blutungen den Notruf gewählt, wie die Lokalzeitung «L'Alsace» berichtete. Die Frau am anderen Ende der Leitung reagierte mit Häme auf den Anruf und wimmelte Musenga ab, wie aus einem Mitschnitt des Telefonats hervorgeht, den mehrere Medien veröffentlichten. Stunden später starb die 22-Jährige. Der Fall wurde erst Monate später bekannt, nachdem die Familie der Toten sich an Lokalmedien gewandt hatte.

In der Aufnahme ist zu hören, wie Musenga zu der Mitarbeiterin des Rettungsdienstes sagt: «Madame, helfen Sie mir.» Diese entgegnete: «Wenn Sie mir nicht sagen, was los ist, lege ich auf.» Darauf Musenga: «Ich habe starke Schmerzen, ich werde sterben.» Die Rettungsdienstmitarbeiterin erwiderte: «Ja, Sie werden sterben, eines Tages, wie jeder andere auch.»

Wiederholt empfahl sie Musenga, den Ärztedienst «SOS Médecins» anzurufen. Dem Sender «France Bleu Alsace» zufolge wartete Musenga im Anschluss mehrere Stunden auf Hilfe, um schließlich doch vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht zu werden. Dort starb sie der Tageszeitung «Le Monde» zufolge an multiplem Organversagen. Laut dem Autopsiebericht, der der Zeitung vorliegt, ist noch unklar, ob ihr Tod bei früherer Hilfe hätte verhindert werden können.

Die Mitarbeiterin des Rettungsdiensts wurde vorläufig suspendiert, wie eine Sprecherin der Uniklinik Straßburg am Mittwoch sagte. Außerdem leitete die Staatsanwaltschaft Straßburg Vorermittlungen gegen den Rettungsdienst und gegen unbekannt ein, wie die Behörde am Mittwoch auf Anfrage bestätigte. Bei Vorermittlungen wird geprüft, ob Indizien für ein Vergehen vorliegen. Anzeige erstattet hatte die Familie der Toten.

Gesundheitsministerin Buzyn kündigte die Aufarbeitung der «schweren Missstände» an. «Ich werde dafür sorgen, dass die Familie alle Informationen bekommt», schrieb sie auf Twitter.

Bei dem Fall aus Frankreich werden Erinnerungen an eine junge Camperin aus dem Enzkreis wach, die im vergangenen Jahr in der Bonner Siegaue vergewaltigt worden ist. Ihr Freund, der die Tat hilflos mit ansehen musste, rief den Notruf. Doch die Beamtin am Telefon hatte den Anruf zunächst nicht ernst genommen.

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