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02.12.2015

Revierkämpfe von Straßengangs: Mutmaßliche Unterstützer der Red Legions vor Gericht

Stuttgart. Nach Revierkämpfen von Straßengangs im Frühjahr im Raum Stuttgart stehen seit Mittwoch zwei mutmaßliche Unterstützer des verbotenen Vereins Red Legion vor Gericht. Die beiden sollen am 29. März in Ludwigsburg im Pulk von 50 Anhängern der rockerähnlichen Gruppe einen Aufmarsch der rivalisierenden United Tribuns angegriffen haben. Gewaltsam wehrten sie sich gegen die Polizei, die versuchte, die Gangs auseinanderzuhalten.

Plötzlich herrschte an jenem Sonntagabend Straßenkampf in Ludwigsburg. Die Lage drohte aus dem Ruder zu geraten, hieß es am Mittwoch vor dem Landgericht Stuttgart. Die Polizei hatte 140 Anhänger der United Tribuns eingekesselt, als auch die Red Legion in Ludwigsburg aufzog und mit Schlachtrufen die Tribuns provozierte. Gewaltsam wehrten sie sich, ebenfalls von der Polizei eingekesselt und abgedrängt zu werden, berichtete die Staatsanwaltschaft.

Den 21 Jahre und 23 Jahre alten Angeklagten wird unter anderem Landfriedensbruch vorgeworfen, der mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden kann. Zudem geht es um den Verstoß gegen das Vereinsgesetz und Widerstand gegen die Polizei. Sieben Anhänger der Red Legion waren damals festgenommen worden, vier sind schon vom Amtsgericht verurteilt worden. Ein weiteres Verfahren wurde abgetrennt und eingestellt.

Im Frühjahr kam es über Wochen im Raum Stuttgart zu wechselseitigen Provokationen beider Gruppen - im Internet und auf der Straße. Es ging um die Vorherrschaft der Red Legion im Raum Stuttgart, wie es in der Anklage heißt. Die United Tribuns wollen am 29. März ursprünglich in Stuttgart aufmarschieren, die Polizei hinderte sie aber bei der Anreise, weshalb sie nach Ludwigsburg auswichen.

Red Legion und United Tribuns

Sowohl die Red Legion als auch die United Tribuns werden als rockerähnliche Gruppen eingestuft. Heißt: Ihre Vereinsstrukturen waren oder sind an die von klassischen Rockern angelehnt, sie kleiden sich ähnlich, haben aber keine Motorräder.

Red Legion: Nachdem Ende 2012 in Esslingen bei Auseinandersetzungen ein junger Mann ums Leben kam, wurde der Verein Mitte 2013 verboten. Auch ihr Erkennungszeichen, schwarze T-Shirts und Kapuzenpullis mit den roten Buchstaben RL, dürfen die Anhänger nicht mehr zeigen. Der Verein rekrutierte sich aus kurdischstämmigen jungen Männern. Das Landeskriminalamt geht nach wie vor von rund 110 Anhängern aus.

United Tribuns: Die Anhänger sind mehr in der organisierten Kriminalität wie Zuhälterei und Menschenhandel verhaftet. Gegründet wurde die Gruppe 2004 in Villingen-Schwenningen. Sie hat inzwischen 14 sogenannte Chapter (Ortsgruppen) in Baden-Württemberg und ist nicht verboten. Die Zahl der Anhänger wird vom Landeskriminalamt auf insgesamt 200 geschätzt.