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Spezialtaucher sollen die Lecks im havarierten Kreuzfahrtschiff im Karlsruher Rheinhafen abdichten. © dpa
Mit Hilfe starker Pumpen kann das havarierte Kreuzfahrtschiff im Karlsruher Rheinhafen über Wasser gehalten werden. © Baden TV
17.04.2012

Rhein-Kreuzfahrer schlägt leck: 160 Menschen gerettet

Ein Fahrfehler des verantwortlichen Lotsen hat am Dienstag zu einem dramatischen Schiffsunglück auf dem Rhein geführt. Das Kreuzfahrtschiff «Bellriva» mit fast 160 Menschen an Bord rammte am frühen Dienstagmorgen bei Karlsruhe eine Buhne, schlug leck und drohte zu sinken. 115 Passagiere und 43 Mann Besatzung konnten unverletzt aus dem Schiff gerettet werden.

Bildergalerie: Havariertes Kreuzfahrtschiff rettet sich in Karlsruher Rheinhafen

Der Leiter der Wasserschutzpolizei Karlsruhe, Robert Hellmann, nannte einen Fehler des Personals auf der Brücke als Ursache: Die Fahrrinne sei an der Unglücksstelle 90 Meter breit. «Eine Kollision mit einer Buhne ist da wirklich nicht vorgesehen», sagte er. Das Schiff sei in der Morgendämmerung und bei nebligem Wetter definitiv zu weit nach rechts geraten, bestätigte auch ein Polizeisprecher.

Die Buhne war wegen des höheren Wasserstandes von etwa fünf Metern überspült und nicht sichtbar. In Schifffahrtskarten seien Buhnen - Wälle zur Regulierung eines Wasserstroms - allerdings verzeichnet. Außerdem sei die Fahrrinne klar definiert und breit genug gewesen, sagte Hellmann weiter. Das Personal sowie die Passagiere wurden zu dem Unfallhergang befragt, hieß es. Zwei Menschen mussten wegen Kreislaufbeschwerden und anderen Vorerkrankungen ins Krankenhaus gebracht werden.

«Wir wurden um halb vier wachgerüttelt», sagte die Passagierin Marianne Sorsak (54) über den Zusammenstoß. «Erst dachte ich, wir seien in eine Schleuse gefahren, aber das Geräusch kam von unten, da hatte ich schon ein komisches Gefühl im Bauch», erzählte die Belgierin. «Die Crew hat uns beruhigt. Etwa um 4 Uhr kam die erste Durchsage, wir mussten alle nach oben», sagte der 75-jährige Siegfried Schmitz. «Panik hatten wir keine, keiner hat geweint oder geschrien, jeder war gelassen». Die Crew habe ruhig und besonnen reagiert. Das Wasser in dem havarierten Schiff stand nach Polizeiangaben «bis zum unteren Fensterrand etwa 1,50 bis 1,70 Meter hoch».

Taucher entdeckten am Morgen drei Lecks und einen Haarriss auf einer Seite des Schiffes, wie die Polizei am Dienstag im Hafen von Karlsruhe weiter mitteilte. Dort hatte der Havarist festgemacht, nach dem er in Höhe Rastatt-Plittersdorf (Kreis Rastatt) leckgeschlagen war. Die Löcher seien zwischen 10 und 15 Zentimeter groß und wurden zunächst provisorisch verschlossen. Im Laufe des Tages sollten sie von zwei weiteren Tauchern eines Spezialunternehmens Tauchern Wasser verschweißt werden.

Der Treibstoff wurde auf die unversehrte Seite des Schiffes verlagert, um es zu stabilisieren. Außerdem wurde ständig Wasser abgepumpt, hieß es. «Durch Lecks in dieser Größe strömt ordentlich was durch», sagte Wasserschutzpolizei-Leiter Hellmann. Bis zu 6000 Liter Wasser pro Minute seien von einem Hafenschlepper und sechs Pumpen der Feuerwehr abgesaugt worden. Spezialschiffe sollten auch ein Wasser-Öl-Gemisch abpumpen, das sich im Bauch des Schiffes angesammelt hatte.

Treibstoff oder andere Schadstoffe seien nicht ausgetreten. Die Höhe des Schadens stand am Vormittag nicht fest. Er werde aber enorm sein, sagte ein Polizeisprecher. Das Schiff fuhr für eine holländische Reederei und war auf dem Weg von Basel nach Köln.

Polizei und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Am Nachmittag sollte das Schiff wieder soweit flott gemacht werden, dass es «in eine Werft seiner Wahl» geschleppt werden könne, hieß es. Die Passagiere waren per Bus vom Unglückskreuzer in das im Rheinhafen liegende Ausflugsschiff «MS Karlsruhe» gebracht und dort versorgt worden. Mit Bussen fuhren sie weiter nach Köln. Dort hätten sie nach Zwischenstopps in Rüdesheim und Speyer eigentlich erst am Mittwochmorgen ankommen sollen.

«Erstmal wollen wir, dass es den Leuten gutgeht und sie dort ankommen, wo sie hinwollen, sagte der Sprecher des Veranstalters «1AVista», Hagen Mesters. Man rechne damit, dass das Schiff bereits für die nächste «Rhein Romantik»-Kreuzfahrt am 25. April wieder flott sei. Für eine siebentägige Rheinkreuzfahrt dieser Art müssten die Gäste im Durchschnitt 900 Euro bezahlen. dpa

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