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© dpa
03.10.2017

Rheintalbahn wieder geöffnet – Weiteres Bauverfahren bleibt unklar

Rastatt. Auf der sieben Wochen lang gesperrten Rheintalbahnstrecke rollen die Züge seit Montag fast wieder im normalen Betrieb. Ab Donnerstag sei im Güterverkehr die übliche Auslastung wieder erreicht und 180 Züge bereits angemeldet, teilte die Deutsche Bahn mit. Auch die Personenzüge verkehrten wie gewohnt. «Seit Betriebsstart in der Nacht um 0.01 Uhr verläuft der Bahnverkehr reibungslos.»

Der Frankfurter Logistikdienstleister Kombiverkehr, der für Speditionen und Transportunternehmen Güter auf die Scheine bringt, sprach ebenfalls von einer Normalisierung. «Alle Züge, die wir sonst im Programm haben, fahren wieder», sagte ein Unternehmenssprecher. 

Der Feiertag an diesem Dienstag (3. Oktober), an dem viele Terminals zum Warenumschlag geschlossen seien und entsprechend weniger Züge fahren, sorge dafür, dass der Güterverkehr auf der Schiene in dieser Woche ohnehin etwas langsamer wieder anlaufe - «eigentlich ein Vorteil nach dieser langen Sperrung», sagte er.

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) in Karlsruhe will allerdings erst ab diesem Mittwoch ihren regulären Stadtbahnbetrieb mit den Linien S7 und S71 wieder aufnehmen - und kritisierte dazu in einer Pressemitteilung vom Montag «die sehr kurzfristige Kommunikation seitens der Deutschen Bahn». Man hätte sich gewünscht, «dass die Deutsche Bahn uns frühzeitiger über die Wiederinbetriebnahme der Strecke ab dem 2. Oktober informiert», hieß es. Die Bahn wies dies über einen Sprecher zurück. Ebenso wie andere Verkehrsunternehmen sei die AVG stets im Bilde gewesen.

Auf den Straßen im Südwesten machte sich am Montag die Wiedereröffnung der Rheintal-Strecke noch nicht so sehr bemerkbar. «Durch den Brückentag war es am Montag ohnehin eher ruhig», erklärte eine Sprecherin des ADAC Nordbaden. Spätestens zum Wochenende hin werde man aber eine gewisse Entlastung sehen, wenn der Güterverkehr sich auf die Freigabe komplett eingestellt habe.

Vor der Sperrung hatten täglich rund 130 Personenzüge und bis zu 200 Güterzüge die Strecke befahren. Nach der Havarie im Tunnel musste ein Teil des Güterverkehrs auf die Straße verlagert werden. Bis zu 30 000 Reisende mussten täglich bis zu 450 Mal zwischen Rastatt und Baden-Baden hin und her gefahren werden, berichtete die Bahn weiter.

Hart getroffen wurden Güterverkehrsunternehmen, die von hohen Umsatzausfällen und Mehrkosten berichteten. Nur ein Teil des normalen Güterverkehrs habe über Ersatzstrecken abgewickelt werden können. Die Firmen befürchten, dass ein Teil des Verkehrs dauerhaft auf die Straße verlagert wurde. Verschiedene Unternehmen prüfen Schadenersatzklagen.

Bei der Staatsanwaltschaft Baden-Baden liegen unterdessen zwei Anzeigen gegen die Bahn vor wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, bestätigte eine Behördensprecherin am Montag. Die eine sei anonym und stamme vom 19. September. Eine zweite vom 27. September sei am vergangenen Freitag eingegangen, wurde vom Aktionsbündnis Stuttgart 21 erstattet und richtet sich gegen die Bahn und die beteiligten Baufirmen. Beide Anzeigen würden zunächst geprüft. Die Bahn wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Die für den gesamten europäischen Bahnverkehr bedeutsame Nord-Süd- Verbindung war seit dem 12. August gesperrt. Damals hatten sich beim Tunnelbau für die unterirdische Neubaustrecke die Schienen gesenkt, nachdem Wasser und Erdreich eingedrungen waren.

Die Bahn rechnet nach dem Schaden an der Tunnelröhre mit erheblichen Verzögerungen an dem Bauprojekt. Die Mehrkosten seien noch nicht zu beziffern. Zwischen Bahn und den Baufirmen laufe ein Schiedsverfahren. Da auch die Tunnelbohrmaschine mit vergraben wurde, weiß keiner so recht, wie das Bauverfahren weitergehen soll. Allerdings wolle man zumindest zunächst an der zweiten, parallel verlaufenden Tunnelröhre weiterarbeiten. Der Bauabschnitt in Rastatt soll sich aufgrund der Panne um mindestens zwei Jahre verzögern.