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Lukrativ aber illegal: Im Keller eines Einkaufszentrums in Karlsruhe-Grötzingen haben zwei Frauen und ein Mann vermutlich seit mehreren Jahren Marihuana angebaut. Gestern flog die ganze Sache auf.
Lukrativ aber illegal: Im Keller eines Einkaufszentrums in Karlsruhe-Grötzingen haben zwei Frauen und ein Mann vermutlich seit mehreren Jahren Marihuana angebaut. Gestern flog die ganze Sache auf. © Deck, dpa
22.04.2009

Riesige Marihuana-Plantage im Keller gefunden

KARLSRUHE. In Karlsruhe ist am Mittwoch die bisher größte Indoor-Marihuana-Plantage im Land entdeckt worden. Die Polizei stellte 3500 Pflanzen sicher, darunter Setzlinge ebenso wie ausgewachsene, rund einen Meter hohe Stauden.

Schon der feucht-modrige Geruch beim Betreten des Kellers lässt ahnen, was die Polizei in dem Karlsruher Haus entdeckt hat: eine riesige Marihuana-Plantage, die nach Angaben des Landeskriminalamts jemals in Baden-Württemberg unter einem Dach ausgehoben wurde. „Auf einer Fläche von rund 800 Quadratmetern wurden 3500 Marihuana-Pflanzen großgezogen“, sagt Thomas Rüttler, Leiter der Kriminalpolizei Karlsruhe – darunter die ganze Palette vom kleinen Steckling bis zur ein Meter hohen Staude. Ein Mann und zwei Frauen sitzen nun in Haft. Dem 45-Jährigen und den mutmaßlichen Komplizinnen im Alter von 26 und 53 Jahren drohen mehrjährige Freiheitsstrafen. Ein größeres Verfahren wegen illegalen Anbaus und Handels mit Betäubungsmitteln hatte die Ermittler auf die Spur der Drogendealer im Stadtteil Grötzingen gebracht.

Professionelle Beleuchtung rund um die Uhr, regelmäßige Bewässerung der Pflanzen von Hand oder das Schleudern der getrockneten Stecklinge mit einer Salatschleuder – „der Aufwand, den die Betreiber für die Aufzucht betrieben haben, war enorm“, sagt Uwe Carl, Inspektionsleiter der Kriminalpolizei Karlsruhe. Um den Pflanzen optimale Bedingungen zu bieten, zogen die Betreiber Rigipsplatten in den 20 mal 40 Meter großen Keller ein. „Drei getrennte Räume mit unterschiedlichen Vegetationsstufen wurden so geschaffen“, erklärt Rüttler. Zudem habe das Wasser mit einem Hydranten in den Keller geschafft werden müssen, da der Raum keinen Wasseranschluss hat. Der Marktwert der angebauten Pflanzen liege bei etwa 150.000 Euro, schätzt der Ermittler.

Pflanzen werden verbrannt

„Wir vermuten, dass die Festgenommenen diese größte Indoor- Plantage des Landes bereits seit mehreren Jahren betrieben haben“, sagen die Kriminalpolizisten. Denn: In dem Keller unterhalb eines Supermarktes fanden sie in großen grauen und weißen Müllsäcken auch mehrere hundert alte Pflanzen, die das Trio entsorgt hatte. Aber wie und wo haben die Dealer ihre Drogen verkauft? Das gilt es herauszufinden. Die Abnehmer werden nun erst mal auf dem Trockenen sitzen, meinen die Ermittler: „Die Plantage wird abgeerntet, und die Pflanzen werden alle verbrannt.“ Für das festgenommene Trio war die Zuchtanlage ein einträgliches Geschäft: „Wir schätzen, dass die Festgenommenen durch die Plantage etwa 5000 Euro im Monat verdient haben“, sagt Inspektionsleiter Carl. Nun sitzen sie zunächst mal in unterschiedlichen Gefängnissen und warten auf ihre Verhandlung.