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Der Angler Peter Merkel aus Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) präsentiert am Neckar bei Rockenau einen 2,16 Meter langen Wels. In den vergangenen Jahren zog Merkel mit einer Spezialangel sogar mehrmals die in Süddeutschland auch Waller genannten Fische mit über zwei Metern Länge aus dem Neckar.
Der Angler Peter Merkel aus Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) präsentiert am Neckar bei Rockenau einen 2,16 Meter langen Wels. In den vergangenen Jahren zog Merkel mit einer Spezialangel sogar mehrmals die in Süddeutschland auch Waller genannten Fische mit über zwei Metern Länge aus dem Neckar. © dpa
17.07.2012

Riesige Welse: Auf der Jagd nach den "Neckar-Ungeheuern"

In der deutschen Anglerwelt ist Peter Merkel als «Welsjäger» ein großer Star. In den vergangenen Jahren zog der 44-Jährige mit einer Spezialangel mehrmals Fische mit über zwei Metern Länge aus dem Neckar. «Der Wels wächst sein ganzes Leben lang und kann deshalb so gigantische Ausmaße erreichen», sagt der gelernte Maler und Lackierer aus Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis), der heute für einen Hersteller von Fangutensilien tätig ist und europaweit Angeln, Netze und Zubehör testet. Sein «Welsrekord» im Neckar liegt bei 221 Zentimetern. Vor kurzem erlegte er einen 216 Zentimeter langen Waller, wie die Tiere in Süddeutschland auch genannt werden.

«Für einen Angler ist das schon ein großer Erfolg», erzählt Merkel. «Der Kampf mit einem solchen Fisch ist sehr anstrengend und kann bis zu einer Stunde dauern. Ich bin dabei sogar schon ins Wasser gefallen.» Er ist sich bewusst, dass nicht alle Menschen ihn als Naturfreund ansehen, wenn er den mit Knüppel und Herzstecher erlegten Fisch wie eine Trophäe präsentiert.

Über die Fische, die Anglervereine in den 1970er Jahren verstärkt im Neckar einsetzten, um den Fischbestand aufzustocken, ist recht wenig bekannt. Welse seien nachtaktiv und gerne in trübem Wasser, so Merkel. Er gehe davon aus, dass sie sich am liebsten in die bis zu zehn Meter tiefen Löcher des Flusses zurückziehen. Im Schnitt sei der 367 Kilometer lange Neckar etwa fünf Meter tief. Der Gewässerbiologe Gottfried May-Stürmer vom BUND-Regionalverband Heilbronn-Franken hält den Fluss auch wegen seines Stauseecharakters mit vielen Schiffsschleusen für einen geeigneten Lebensraum für Welse.

Dass diese eine enorme Größe erreichen können, ist bekannt: Der «Killerwels Kuno» schaffte es 2001 weltweit in die Schlagzeilen, weil er im nordrhein-westfälischen Mönchengladbach einen am Weiher-Ufer arglos schnüffelnden Dackelwelpen verspeist haben soll, Halsband inklusive. Ob es sich dabei um Fakt oder Fiktion handelte, wurde nie geklärt. Im Südwesten ist auch von «Neckar-Ungeheuern» die Rede.

Der Fischbeauftragte des NABU Baden-Württemberg, Hilmar Grzesiak, hält persönlich wenig von der «Event-Fischerei» mit Echolot und Unterwasserradar. «Für die Biologie ist es aber nicht schlecht, wenn diese großen Wels-Apparate herauskommen», sagt der 67-Jährige, der gerne angelt. «Dann wird die Dynamik der Natur wiederhergestellt.»

Problematisch ist laut May-Stürmer, wenn Aquariumbesitzer amerikanische Katzenwelse aussetzen, weil die Fische zu groß geworden sind. «In manchen Baggerseen sollen diese Katzenwelse ganze Fischbestände zum Zusammenbruch gebracht haben. Auch am Neckar wurden zum Leidwesen der Fischer schon welche gefunden.»

Michael Schramm vom Fischereiverband Baden-Württemberg bringt Probleme bei Fischbeständen eher mit dem gehäuften Auftreten von Kormoranen in den vergangenen 20 Jahren in Verbindung. Der Wels «profitiert offensichtlich davon, dass sich Jungtiere in den ersten zwei Lebensjahren in den Steinschüttungen dem Zugriff von Kormoranen und anderen Räubern weitgehend entziehen können». Fossilienfunde belegten, dass der Waller seit etwa 6000 Jahren im Neckar lebe.

Der wechselwarme Wels ist der größte Süßwasserfisch Europas und kann sich im Schlamm leicht unsichtbar machen. Mit seinen an ein Sonarsystem erinnernden Barteln tastet er zur Jagd sein Umfeld ab. So kann der Fisch, der bis zu 70 Jahre alt werden kann, auch im trüben Wasser vor allem nach Aas jagen. Wegen seines breiten Mauls ist er zudem fähig, ganze Enten oder Ratten zu verspeisen.

Da Wallerweibchen jährlich bis zu 500 000 Eier legen, sind die Fische selbst ein natürlicher Faktor der Nahrungskette. So lieben zum Beispiel Libellenlarven gerade frisch geschlüpfte Welse als Mahlzeit.

Apropos Essen: Der Wels schmecke bis zu einer Länge von 140 Zentimetern am besten, sagt Merkel. «Das Filet ist ausgezeichnet und schmeckt mit Kartoffeln vorzüglich. Zu große Exemplare eignen sich wegen des faden Geschmacks nur zum Räuchern.» Jedoch fielen beim Kochen 70 Prozent des Körpers als Abfall an.