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Rocker © dpa
28.12.2014

Rockerähnliche Gruppierungen mit starken Zulauf im Südwesten

Innenminister Reinhold Gall (SPD) hat vor steigenden Mitgliederzahlen bei rockerähnlichen Gruppierungen gewarnt. «Was uns Sorge macht, ist dass die Black Warriors, United Tribunes oder auch die Black Jackets einen starken Zulauf haben. Bei diesen Gruppierungen geht es oftmals zur Sache.

Da gibt es eine neue Qualität der Gewalt», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Die Gruppierungen seien oftmals sehr kriminell. «Die Anhänger fallen vor allem durch Bandenkriminalität, Rauschgifthandel oder Waffenhandel auf.»

Auch der bayerische Verfassungsschutz hatte sich unlängst ähnlich wie Gall geäußert. Die Black Jackets haben ihren Ursprung in Baden-Württemberg. Von ihnen gibt es hierzulande rund 250 Mitglieder, die United Tribunes zählen rund 160 und die Black Warriors etwa 70 Anhänger. «Wir kontrollieren die Szene regelmäßig und halten somit den Druck aufrecht», betonte Gall. Bei den Kontrollen werde regelmäßig etwas gefunden. Im Jahr 2013 hatte das Innenministerium die Gruppierung Red Legion verboten. «Ich bin nicht blauäugig. Ein Verbot löst das Problem nicht. Damit ist der Fall nicht erledigt», erklärte Gall.

Oftmals bekämpfen sich die Gruppierung auch untereinander. United Tribunes und Black Jackets sind auch schon gegenseitig aufeinander losgegangen, wenn es um Streitereien im Rotlichtmilieu ging. «Die Polizei reagiert mit einer niedrigen Einschreitwelle im Sinne der Null-Toleranz-Strategie auf Straftaten oder Ordnungsstörungen im Zusammenhang mit Rockergruppierungen und rockerähnlichen Gruppierungen. Rechtsfreie Räume werden nicht toleriert und sind nicht akzeptabel», sagte Gall.

Im Gegensatz zu den rockerähnlichen Gruppierungen verzeichnet das Innenministerium bei den klassischen Rockergruppierungen mit kriminellen Hintergrund keinen größeren Zulauf. «Alle schauen auf die Hells Angels. Die dehnen sich nicht aus.» Im Südwesten werden insgesamt rund 480 Hells Angels gezählt. Seit Ende Juli dürfen die Hells Angels ihre Abzeichen - einen geflügelten Totenkopf - nicht mehr in der Öffentlichkeit tragen. Verstoßen sie dagegen, müssen sie mit einer Geldbuße rechnen.

Das baden-württembergische Innenministerium hatte das Verbot am 29. Juli mit sofortiger Wirkung ausgesprochen und damit das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Hamburg vom 7. April 2014 umgesetzt. Insgesamt gibt es Land rund 1750 Anhänger der verschiedensten Rockergruppierungen mit kriminellen Hintergrund.

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Rüdiger Seidenspinner, sagte: «Rockergruppierungen werden oftmals immer etwas verharmlost.» Auf sie müsse man aber ein besonderes Auge haben, denn sie arbeiteten oftmals über die Grenzen der Bundesländer hinweg zusammen. Bei Straftaten müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen sie vorgegangen werden.