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Rocker kontra Türsteher - Hells Angels, United Tribuns, Black Jackets, Gremium, Red Legion

08.04.2016

Rockerkrieg in Heidenheim: Nach Schießerei gibt es drei Verhaftungen

Heidenheim (dpa) - Die Schüsse im baden-württembergischen Heidenheim mit zwei lebensgefährlich Verletzten gehen auf eine Auseinandersetzung im Rockermilieu zurück. Drei Personen im Alter zwischen 23 und 30 Jahren wurden kurz nach der Tat im benachbarten Giengen festgenommen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilten.

Sie sollten dem Haftrichter vorgeführt werden. Sowohl die mutmaßlichen Täter als auch die Opfer gehören demnach der Rocker-Szene an. Bei den beiden Angeschossenen soll es sich nach Angaben aus mit der Sache vertrauten Kreisen um Mitglieder der Gruppierung «United Tribunes» handeln. Die Angreifer sollen den «Black Jackets» angehören. Auslöser der Schüsse am Donnerstag war laut Mitteilung eine seit einiger Zeit laufende Fehde.

Vor einem Geschäft in der Innenstadt kam es zu einem Streitgespräch, in dessen Verlauf einer der Beteiligten unvermittelt eine Schusswaffe zog. Er schoss dem 29-Jährigen drei Mal in den Oberkörper, dem 25-Jährigen in den Bauch. Beide Männer waren am Tag nach der Tat noch in Lebensgefahr. Rund 60 Menschen aus dem Umfeld der Opfer waren nach Bekanntwerden des Vorfalls im Raum Ulm und Heidenheim zusammengekommen. Deshalb führte die Polizei umfangreiche Kontrollen durch. Dabei seien zahlreiche Hieb- und Stichwaffen gefunden worden. Im Großraum Ulm kommt es schon seit längerem immer wieder zu Konflikten im Rockermilieu. Möglichen weiteren Auseinandersetzungen begegnet die Polizei mit weiter verstärkter Präsenz und Kontrollmaßnahmen. Auf die Spur der Tatverdächtigen kamen die Fahnder dank Zeugenaussagen. Zwei der Männer seien in Giengen festgenommen worden. Sie waren in einem Fluchtauto unterwegs. Der dritte Tatverdächtige wurde wenig später in seiner Wohnung im gleichen Ort verhaftet. Bei der Durchsuchung von mehreren Wohnungen in Heidenheim und Giengen seien gleichfalls Hieb- und Stichwaffen aufgefunden worden.

Rockerkrieg 2010 in Pforzheim

Blutige Auseinandersetzungen zwischen Rockern und rockerähnlichen Gruppierungen gab es in Pforzheim vor allem 2010. Im November 2010 hatten Hells Angels und United Tribuns ihren Streit um Einflusssphären und anderes mehr mit einer blutigen Massenschlägerei am Güterbnahnhof ausgetragen. Damals fiel ein Schuss aus einer scharfen Waffe und ein Mann wurde niedergestochen. Es folgten mehrere Razzien und Verhaftungen.
In Pforzheim wurde im Juni 2011 der Verein der Hells Angels nach einem gerichtlichen Verbot aufgelöst. Von den United Tribuns war danach lange nichts mehr zu hören. Im Zuge des harten Durchgreifens von Polizei und Staatsanwalt hatten sich auch die Pforzheimer Black Jackets nach Verhaftungen und Verurteilungen aufgelöst. Der Versuch der Rocker, das Hells-Angels-Verbot rückgängig zu machen, scheiterte vor Gericht.

So sehr sich Rockerbande und Türsteherclique auch in Pforzheim bekämpft haben, andernorts scheint es mit der Kooperation zwischen Hells Angels und United Tribuns funktioniert zu haben, wie im Oktober 2015 die Verhaftungen von vier Verdächtigen aus Pforzheim sowie den Landkreisen Böblingen und Freudenstadt angedeutet haben. Spezialeinheiten der Polizei hatten drei Männer und eine Frau aus der Rockerszene festgenommen, die Frauen zur Prostitution gezwungen haben sollen. Darunter auch ein Pforzheimer, von dem die Polizei damals ausging, dass er zu der ehemaligen Türsteher-Clique United Tribuns gehörte. Die weiteren Verdächtigen im Alter von 24 bis 29 Jahren sollten nach dem damaligen Erkenntnisstand Mitglieder bei den Hells Angels sein.