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Es sieht so aus, als würden die Fledermäuse im Winterschlaf den Bahnhofsabriss in Stuttgart nicht verzögern können.
Es sieht so aus, als würden die Fledermäuse im Winterschlaf den Bahnhofsabriss in Stuttgart nicht verzögern können. © dpa
10.01.2012

S21: Südflügel soll fallen - Fledermäuse nicht gestört?

Stuttgart. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 gewinnt wieder an Fahrt. In wenigen Tagen will die Bahn mit dem Abbruch des Südflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs beginnen. Die Winterruhe von Fledermäusen werde dadurch nicht beeinträchtigt, teilte das Eisenbahnbundesamt am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Dies habe die Bahn in einer «naturschutzfachlichen und einer erschütterungstechnischen Stellungnahme» nachgewiesen.

Der S21-Projektsprecher Reinhold Willing sagte in Stuttgart: «Wir gehen davon aus, dass wir noch in dieser Woche mit den vorbereitenden Maßnahmen für den Abbruch des Südflügels beginnen können.» Zunächst werde das Gebäude von innen entkernt, bevor die Außenfassade abgerissen werde. Die Bahn plane auch die nächsten Baumfällarbeiten im Schlossgarten, sagte Willing. Er rechne damit, dass das Eisenbahnbundesamt dafür in Kürze grünes Licht geben werde.

Nach Angaben der Bonner Behörde hat die Bahn neue Unterlagen nachgereicht, die derzeit geprüft werden. Bis Ende Februar sollen 176 Bäume verschwinden, damit die Deutsche Bahn den Trog für den geplanten Tiefbahnhof ausheben kann.

Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim hatte die Planungen ins Stocken gebracht. Mitte Dezember urteilten die Richter, dass das Eisenbahnbundesamt (EBA) zu Unrecht die von der Bahn geforderte Änderung der Baugenehmigung für das S21-Grundwassermanagement abgesegnet hatte. Das EBA müsse vor einer endgültigen Entscheidung noch die naturschutzrechtlichen Bedenken des BUND anhören.

Im August 2010 war der Abbruch des Nordflügels des Hauptbahnhofs von Protesten und Sitzblockaden begleitet worden. Zu einem Polizeieinsatz mit mehr als hundert Verletzten kam es kurz vor den letzten Baumfällarbeiten am 30. September 2010. Bilder von weinenden und blutenden Demonstranten wie am «Schwarzen Donnerstag» will die grün-rote Landesregierung unbedingt vermeiden. dpa