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Frank Mentrup (SPD), Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 02. Dezember 2012 in Karlsruhe (Baden-Württemberg), aufgenommen am 31.08.2012 vor dem Karlsruher Rathaus.
Frank Mentrup (SPD), Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 02. Dezember 2012 in Karlsruhe (Baden-Württemberg), aufgenommen am 31.08.2012 vor dem Karlsruher Rathaus. © dpa
10.10.2012

SPD sucht Achtungserfolg in Karlsruhe

Karlsruhe. Im Land nur noch die Nummer drei und bei der Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl erneut abgeschlagen. Aktuell hat die SPD im Südwesten nur noch einen Trumpf: Mentrup soll Karlsruhe erobern.

Mit dem Rückzug aus dem Rennen um den Stuttgarter Oberbürgermeisterposten hat die SPD den Grünen im Südwesten erneut ein Stück Wahlland überlassen. Bereits bei den Landtagswahlen im vergangenen Jahr musste sie der Ökopartei den Vortritt lassen. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf der drittgrößten Stadt im Ländle: Karlsruhe. Hier soll Kultusstaatssekretär Frank Mentrup im Dezember die CDU nach mehr als 40 Jahren Herrschaft vom Thron stoßen - und die Ehre der Sozialdemokraten retten.

Die Chancen stehen nicht schlecht, denn eine grüne Gefahr droht ihm nicht. Die Grünen haben sich schon früh entschieden, Mentrup zu unterstützen. «Das ist eine sensationelle Chance, mit grünem Rückenwind ins Rennen zu gehen», sagt Mentrup. Allerdings bestritten die Karlsruher Grünen stets, dass es einen Deal geben könnte nach dem Motto: Die SPD verzichtet im Gegenzug in Stuttgart zugunsten des grünen Kandidaten Fritz Kuhn. Dass sie sich hinter Mentrup stellten, hat vielleicht eher damit zu tun, dass ihnen angesichts der beachtlichen Erfolge die Kandidaten für politische Ämter ausgehen.

So kommt es in der Fächerstadt zum klassischen Duell Schwarz gegen Rot. In den vergangenen Monaten ein seltenes Bild, haben sich die Zweikämpfe doch mehr und mehr auf CDU contra Grüne konzentriert. «Die Grünen profitieren im Moment viel stärker von der Schwäche der CDU als wir», sagt Mentrup. Vor allem mit Winfried Kretschmann als Landesvater gelinge es ihnen, sich als neue Volkspartei zu etablieren. Die SPD dagegen schaffe es nur noch selten, ihre ureigene Klientel an die Wahlurne zu locken.

In Karlsruhe kommt es also - angesichts der grünen Erfolge auch auf kommunaler Ebene - fast schon zu einer Art Wettkampf der Verlierer. Denn nicht nur die SPD, sondern auch die CDU kämpft nach der verlorenen Landtagswahl darum, Boden unter die Füße zu bekommen. Sollte es der CDU-nahe Sebastian Turner in der Landeshauptstadt nicht schaffen, Kuhn in die Schranken zu weisen, bliebe auch der CDU als letzter Achtungserfolg vor dem Jahresende nur Karlsruhe.

Doch Kandidat Ingo Wellenreuther bekommt seine Truppen nicht hinter sich. In der CDU rumort es - und jetzt ist mit dem früheren EnBW-Chef Gerhard Goll ein renommiertes CDU-Mitglied in die Unterstützungergruppe von Mentrup gewechselt. Auch die FDP konnte sich nicht dazu durchringen, einhellig für den Christdemokraten zu votieren. «Wellenreuther spaltet das bürgerliche Lager», bemerkt Mentrup nicht ohne Genugtuung. «Das ist unsere Chance.»

Mentrup setzt neben den Grünen auch auf die Karlsruher Liste und die Piraten. «Ein breites Bündnis ist heute Teil des Erfolges.» Zudem will er im Wahlkampf polarisieren, um den Wählern eine echte Option zu bieten. Und nicht zuletzt will er mit dem Siegel SPD gewinnen. «Das Beispiel Turner in Stuttgart zeigt, dass ein Parteiloser nicht trägt. Die Wähler wollen, dass die Kandidaten politisch verankert sind. Deshalb kommen bei mir die drei Buchstaben SPD auf alle Plakate.» Am Wahlabend will Mentrup deshalb mit der Partei feiern - oder mit ihr untergehen.

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