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Sahara-Hitze und Wintersport - Skispringer schwitzen im Schneeanzug
Sahara-Hitze und Wintersport - Skispringer schwitzen im Schneeanzug © dpa
28.07.2013

Sahara-Hitze und Wintersport - Skispringer schwitzen im Schneeanzug

Hinterzarten (dpa) - Das Thermometer zeigt 36 Grad - doch Skispringer Andreas Wank hat seine Wintermütze aufgezogen. «Was im Winter vor Kälte schützt, schützt im Sommer erst Recht vor der Hitze», sagt er grinsend und läuft zurück zum Skilift.

Es ist eine verkehrte Welt in Hinterzarten im Schwarzwald: Während das ganze Land am Wochenende unter der Sahara-Hitze mit tropischen Temperaturen gelitten hat, haben die Wintersportler ihre dicken Ski-Anzüge hervorgekramt und sich an der Adlerschanze getroffen.

Auf den ersten Blick ist beim Sommer-Grand-Prix der weltweiten Skispringer-Elite alles wie im Winter. Bloß ist die Schanze grün statt weiß, und die Zuschauer schlürfen statt Glühwein kalte Getränke mit Eiswürfeln.

Für die Sportler ist der Wettkampf bei diesem Hochsommer-Wetter eine echte Belastungsprobe. Denn auch wenn sie wohl am liebsten nur in kurzen Hosen gesprungen wären, müssen sie aus Sicherheitsgründen die gleiche Wettkampfbekleidung tragen wie bei frostigen Minustemperaturen im Winter. Sonst hätte ein Sturz auf den Matten gefährliche Verbrennungen zur Folge.

Also zwängen die Springer ihre schwitzigen Körper immer wieder in die engen Anzüge - nur um sie nach dem Sprung so schnell wie möglich wieder auszuziehen und dann in kurzer Hose und im Muskel-Shirt den Weg zurück nach oben anzutreten.

Der deutsche Teamarzt Mark Dorfmüller sagt seinen Athleten immer wieder, dass sie viel trinken sollen. «Bis zu vier Liter braucht ein Skispringer bei 36 Grad», sagt der Mediziner.

Birgit und Werner Jennichen aus Tuttlingen haben es sich am Auslauf der Schanze auf ihren Campingstühlen bequem gemacht und schauen den Wettkampf an. Bis auf ihre schwarz-rot-goldenen Socken sind beide leicht bekleidet. «Zum Glück haben wir unsere Sonnenschirme dabei, sonst würden wir verbrennen», sagt sie. Seit Jahren kommen sie zum Sommerskispringen. Doch an solch eine Hitze können sie sich nicht erinnern.

Für etwas Abkühlung sorgt auch die Hinterzartener Feuerwehr. In einem riesigen mobilen Wasserbecken können sich die Zuschauer erfrischen. Während die Skispringer in ihrer Winterkluft von der Schanze springen, liefert sich eine Familie eine Wasserschlacht.

Abkühlung suchen auch die Teambetreuerinnen Diana und Tanja aus Hinterzarten. Sie kümmern sich um die Verpflegung der Athleten, doch während des Wettkampfes haben sie Pause und können ihre Füße in ein mitgebrachtes Planschbecken stellen.

Springerin Ulrike Gräßler hat den hitzigen Wettkampf unterdessen überstanden und ist auf Platz drei gelandet. Sie ist zufrieden. «Im Sommer kann man es immer etwas lockerer sehen.» Bei einem solchen Wetter zu springen, sei für sie etwas Besonderes, findet die 26-jährige Wintersportlerin. «Privat bin ich schon der Sommertyp.»