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Immer weniger Aufträge für Sarghersteller.
Es gebe immer weniger Aufträge © dpa
15.11.2012

Sarghersteller leiden unter Trend zu Feuerbestattung

Kappel-Grafenhausen. Die deutsche Sarg-Industrie leidet unter dem zunehmenden Trend zur Feuerbestattung. «Die Auswirkungen sind gravierend», sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe (VDZB) in Bonn, Siegfried von Lauvenberg, im badischen Kappel-Grafenhausen (Ortenaukreis) der Nachrichtenagentur dpa.

Es gebe immer weniger Aufträge. Die Zahl der Hersteller werde sich in den nächsten Jahren weiter reduzieren, Firmen müssten aufgeben. «Der Strukturwandel in der Branche ist noch nicht abgeschlossen.» Derzeit gebe es in Deutschland rund 80 Sargproduzenten.

«Erstmals gab es 2011 bundesweit mehr Feuer- als Erdbestattungen. Und die Entwicklung macht mittlerweile auch vor dem ländlichen Raum nicht mehr Halt», sagte von Lauvenberg. «Der Trend zur Feuerbestattung führt dazu, dass das stückzahlmäßig relevante Mittelkassesortiment der deutschen Sargindustrie und damit eine der tragenden Säulen der Inlandsproduktion nahezu komplett weggebrochen ist.» Diese Entwicklung werde weiter anhalten.

«Während sich Deutschlands Hersteller auf Särge der mittleren und gehobenen Kategorie spezialisieren, drängen zunehmend Billig-Produkte aus Osteuropa auf den Markt», sagte von Lauvenberg. «Mittlerweile stammen fast 60 Prozent der in Deutschland angebotenen Särge aus osteuropäischer Produktion.» Diese würden meist für Feuerbestattungen verwendet. Die wichtigsten Lieferländer seien Polen, Slowenien, Tschechien, Bulgarien und Rumänien. Sie profitierten vom gesellschaftlichen Wandel in Deutschland.

«Produzierten die deutschen Hersteller mit mehr als 20 Beschäftigten im Jahr 2008 insgesamt noch 180 000 Särge, so waren es 2011 lediglich noch 146 000 Stück», sagte von Lauvenberg. «Das entspricht einem Rückgang von 19 Prozent über drei Jahre.» Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten würden statistisch nicht erfasst. Die Hersteller hierzulande könnten nicht umsteuern. Billig-Särge ließen sich in Deutschland nicht kostendeckend herstellen.

«Um nicht weiter deutlich Marktanteile zu verlieren, wollen wir die Bedeutung des Sargs für eine Trauerfeier stärker hervorheben», sagte der Branchenvertreter. «Der Sarg soll ins Zentrum gerückt werden, als Symbol eines würdevollen Abschieds.»

Mit einer bundesweiten Imagekampagne solle dies ins Bewusstsein der Bestatter und der Hinterbliebenen gebracht werden. «Die Beisetzung ist die letzte Feierlichkeit für den Verstorbenen und im Nachhinein nicht mehr korrigierbar.» Angehörige sollten sich daher frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen.

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