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Im Südwesten werden zu wenig Masernimpfungen vorgenommen.Foto: dpa
impfung © dpa
11.11.2011

Schon jetzt über 500 Masernfälle im Südwesten

Stuttgart/Berlin. In Baden-Württemberg haben in diesem Jahr so viele Patienten an Masern gelitten wie seit zehn Jahren nicht mehr. Nach aktuellen Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin wurden aus dem Südwesten in diesem Jahr bisher 524 Erkrankungen übermittelt. Zuletzt lag die Fallzahl im Jahr 2001 mit 694 darüber.

Auch bundesweit infizierten sich mit 1575 deutlich mehr Menschen mit dem hochansteckenden Virus als in den Jahren zuvor. Die Zahl für Deutschland war zuletzt 2006 vierstellig - mit 2308 Fällen.

Einen Grund für die unterschiedliche Entwicklung der Kinderkrankheit gibt es laut Peter Zaar vom baden-württembergischen Landesgesundheitsamt nicht. «Solche Schwankungen gibt es immer wieder.» Die Infektionswelle im Südwesten habe 2011 den Höhepunkt von April bis Juni erreicht. «Es kann aber auch schon nächstes Jahr wieder so weit sein», warnte Zaar.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen im vergangenen Jahr (274) waren Mädchen und Frauen. Mit 294 Fällen waren die Masernpatienten meist zwischen fünf und unter 15 Jahren alt.

Masern sind weltweit verbreitet. Eine Infektion kann tödlich enden. Daher raten Ärzte und Behörden Eltern dringend, Kleinkinder impfen zu lassen. Empfohlen wird eine zweifache Impfung zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat sowie dem 15. und 23. Lebensmonat. Das Virus kann laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur ausgemerzt werden, wenn 95 Prozent der Vorschulkinder geimpft werden. Baden-Württemberg erreichte diese Quote zuletzt nicht. Die Impfmüdigkeit sei ein Problem beim Kampf gegen Masern, sagte Zaar.

Daher appellierte auch Gesundheitsministerin Katrin Altpeter (SPD): «Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Im schlimmsten Fall verursacht sie schwere Gehirnschäden.» Deshalb sei es wichtig, das Ansteckungsrisiko möglichst auszuschließen. «Dabei ist die Impfung der beste und einfachste Weg sich vor Masern zu schützen.»

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)betont, dass unter den Infizierten im Südwesten dieses Jahr 33 Säuglinge waren. Diese seien besonders bedroht, sagte BVKJ-Sprecher Sean Monks. Seit den 1970er Jahren sei die Zahl der Infektionen mit Einführung der Impfung zunächst gestiegen. Nachdem es infolge dessen aber deutlich weniger Infizierte gab, habe die Bereitschaft zum Impfen nachgelassen und die Patientenzahl steige wieder. Neuester Fall ist ein sechs Jahre altes Mädchen aus Bayern, das im Alter von sieben Monaten infiziert wurde und mittlerweile im Wachkoma liegt.

Im vergangenen Jahr steckten sich Monks zufolge im Südwesten neun Säuglinge mit Masern an. Insgesamt registrierte das RKI151 Masernfälle.Am niedrigsten war die Zahl in den vergangenen zehn Jahren mit 16 Patienten im Jahr 2004. Zwei Menschen starben nach Angaben des Statistischen Bundesamts in dem Zeitraum sogar infolge einer Masernerkrankung. Empfänglich ist laut Landesgesundheitsamt, wer bislang nicht infiziert war und nicht ausreichend geimpft ist. dpa