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Nicht nur viele Eltern atmen auf, auch etliche Kinder sind froh, dass heute wieder die Schule angefangen hat. Schließlich trifft man jetzt wieder die Klassenkameraden. Und für die Erstklässler ist der Schulanfang ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstständigkeit.
Nicht nur viele Eltern atmen auf, auch etliche Kinder sind froh, dass heute wieder die Schule angefangen hat. Schließlich trifft man jetzt wieder die Klassenkameraden. Und für die Erstklässler ist der Schulanfang ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstständigkeit. © dpa
10.09.2012

Schule beginnt im Südwesten: 94.300 Erstklässler

Rund 1,2 Millionen Schüler in Baden-Württemberg drücken von diesem Montag an wieder die Schulbank. Die großen Ferien sind vorbei. Für 94.300 Erstklässler beginnt in dieser Woche der Ernst des Lebens - die genauen Einschulungsdaten variieren, da die Grundschulen den Termin selber bestimmen können. Mit dem neuen Schuljahr geht auch ein grün-rotes Reformprojekt an den Start: die Gemeinschaftsschule. 42 Schulen machen hier mit. Damit will die Regierung den bislang engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg verringern.

Zudem werden sich erstmals die Folgen des Wegfalls der verbindlichen Grundschulempfehlung zeigen. Es wechseln mehr Kinder als in den Vorjahren auf das Gymnasium und die Realschulen, während die Übergangsquoten auf Haupt- und Werkrealschulen sinken. Wie eine Sprecherin des Kultusministeriums in Stuttgart mitteilte, verzeichnen Gymnasien und Realschulen einen Zuwachs von jeweils rund 1000 Schülern. Den Gemeinschaftsschulen lagen etwa 2000 Anmeldungen vor. Die Haupt- und Werkrealschulen verzeichnen rund 8800 Anmeldungen weniger als noch vor einem Jahr. «Insgesamt wurden 4800 Schüler weniger als im Vorjahr angemeldet», erklärte die Sprecherin.

Von den 94.300 Erstklässlern werden etwa 88.400 eine Grundschule besuchen. 4300 gehen auf eine Sonderschule, und 1600 Kinder werden bei einer Waldorfschule eingeschult. Die Berufsschulen verzeichnen im Schuljahr 2012/2013 voraussichtlich rund 400 000 Schüler.

Eine weitere Neuerung im anlaufenden Schuljahr ist das Comeback des neunjährigen Gymnasiums. Es wird als Versuch an 32 Schulen angeboten. Davon bieten wegen des großen Runs sieben nur noch den neunjährigen statt den derzeit üblichen achtjährigen Weg zum Abitur an. Eltern und Schüler hatten wiederholt geklagt, dass das Pensum in acht Jahren zu viel Stress bedeute.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) warf der grün-roten Regierung vor, zu wenig für die Schulen auszugeben. «Wer solide Bildung für alle will, muss Geld in die Hand nehmen», sagte Landeschef Gerhard Brand laut Mitteilung am Sonntag in Stuttgart. «Der Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien wird allen ungeschminkt zeigen, ob die Schulen wirklich so gut mit Lehrerstunden versorgt sind, wie es das Kultusministerium und einige Staatliche Schulämter in den letzten Tagen versichert haben.» Dann sähen die Eltern, ob bereits Pflichtunterricht ausfallen müsse und ob es genügend Förderkurse und AG-Stunden gebe.

Brand erklärte, es gebe nur wenige interne Krankheitsvertreter an einigen Schulen - und Lehrer von außen dürften erst nach längeren Ausfällen vertraglich verpflichtet werden. Der Ergänzungsunterricht - dazu gehört alles, was über das Pflichtangebot hinausgeht - sei im neuen Schuljahr nur marginal erkennbar. Das Kultusministerium hatte hingegen erklärt, die Einstellungszahl bei den Lehrern bewege sich trotz eines starken Rückgangs der Schülerzahl auf demselben Niveau wie im Vorjahr. Von Verbänden formulierte «Negativszenarien» mit befürchteten Unterrichtsausfällen entsprächen nicht der Realität. dpa