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Um einen zweistelligen Millionenbetrag prellen Schwarzfahrer jährlich die baden-württembergischen Verkehrsbetriebe.
Um einen zweistelligen Millionenbetrag prellen Schwarzfahrer jährlich die baden-württembergischen Verkehrsbetriebe. © dpa
20.12.2011

Schwarzfahrer prellen Verkehrsbetriebe um Millionen

Stuttgart. Schwarzfahrer prellen die Verkehrsbetriebe im Südwesten jedes Jahr um einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag. Das hat eine dpa-Umfrage ergeben.

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Demnach beträgt der jährliche Einnahmeverlust allein in der Landeshauptstadt STUTTGART beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) rund 15 Millionen Euro. «Ohne Schwarzfahrer wären die Preissteigerungen etwas niedriger», sagte ein Sprecher. 3,2 Prozent der Nutzer besäßen keinen Fahrschein, wenn sie überprüft würden.

In FREIBURG hätten die städtischen Verkehrsbetriebe wohl auch rund 1,5 Millionen Euro mehr in der Kasse, wenn jeder bezahlte. «Tatsache ist, dass rund zwei Prozent der Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis unterwegs ist», sagt ein Sprecher der Freiburger Verkehrs AG (VAG). Die Zahl sei recht konstant. Die fehlenden Einnahmen entsprächen «ungefähr dem Prozentsatz einer durchschnittlichen jährlichen Fahrpreiserhöhung», sagt er.

Preiserhöhungen werden aber nur in manchen Orten auch mit Verweis auf die Schwarzfahrer begründet. So gibt es im zweitgrößten Ballungsraum MANNHEIM aus Sicht des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar keinen Zusammenhang zwischen der Zahl der Schwarzfahrer und den Fahrscheinpreisen. Ausschlaggebend seien Personal- sowie Energie- und Treibstoffkosten, sagte ein Sprecher. Die Schwarzfahrer-Quote sei von 1,93 Prozent im Jahr 2001 auf 1,18 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. Wer ohne Fahrkarte erwischt wird, zahlt 40 Euro.

Die Schwarzfahrerquote der KARLSRUHER Verkehrsverbund (KVV) betrug 2010 durchschnittlich 1,4 Prozent. Bei 176 Millionen beförderten Personen im Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) bedeute das entgangene Fahrgeldeinnahmen in einer Höhe von 5,42 Millionen Euro, erklärte ein Sprecher. Die meisten Schwarzfahrer seien übrigens nachts unterwegs; die Mehrzahl der Schwarzfahrer sei männlich - 160 Prüfer machten sie ausfindig. Eingenommen habe der KVV bei den Schwarzfahrern allerdings in diesem Jahr bislang nur 810 000 Euro.

Bei der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL), die vor allem die Züge zwischen TÜBINGEN und SIGMARINGEN betreibt, gehen jedes Jahr rund 3000 Schwarzfahrer ins Netz. «Etwa die Hälfte sind vorsätzliche Schwarzfahrer, die anderen haben ihre Monatskarte vergessen oder es sind Schüler, die ihren Schülerausweis nicht dabeihaben», sagte ein Sprecher - diese Aussage trifft auf praktisch jeden Verkehrsverbund zu. Und solche vermeintlichen Schwarzfahrer können sich ihre Strafzahlung später wieder zurückerstatten lassen.

«Wir schätzen, dass wir mit massiven Kontrollen doppelt oder dreimal so viele Schwarzfahrer aufgreifen würden», erklärte der HzL-Sprecher weiter - doch man wolle die ehrlichen Fahrgäste auch nicht mit übertrieben häufigen Kontrollen verärgern. «Es geht uns eher darum, Akzente zu setzen und klar zu machen: Wer schwarz fährt, schädigt alle anderen Fahrgäste.»

In KONSTANZ ist die Quote der ertappten Fahrgäste ohne Ticket unter den elf Millionen Kunden im Jahr rückläufig. Zuletzt waren es nach Angaben einer Sprecherin der Stadtwerke 1,96 Prozent. Eines sei jedoch klar: «In Konstanz sind die Frauen anständiger: es fahren jedes Jahr deutlich mehr Männer schwarz als Frauen».

 «Das Thema Schwarzfahren haben wir nicht signifikant im Visier», sagt der Geschäftsführer des bodo-Verkehrsverbundes BODENSEE-OBERSCHWABEN. Die Schwarzfahrer werden von den jeweiligen Mitgliedsunternehmen kontrolliert. Bei der Preiskalkulation der Fahrscheine im Verbund würden allerdings vor allem Treibstoff- und Lohnkosten zugrunde gelegt - Schwarzfahrer spielten keine Rolle.

«Theoretisch», sagte ein Sprecher der Stadtwerke ULM/Neu-Ulm, könnten die Fahrscheine ohne die schwarzen Schafe unter den Fahrgästen günstiger sein. Mehr als 6000 seien 2011 schon gestellt worden - mit steigender Tendenz. Dabei lägen die Kosten für die Kontrolle im Verhältnis zu den Einnahmen bei 2:1. dpa

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