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Eine Schweizer Geothermie-Bohrung hat nach einer Notfallaktion am Bodensee ein Erdbeben ausgelöst. Weitere Erdstöße sind nicht ausgeschlossen.
Eine Schweizer Geothermie-Bohrung hat nach einer Notfallaktion am Bodensee ein Erdbeben ausgelöst. Weitere Erdstöße sind nicht ausgeschlossen. © dpa
22.07.2013

Schweizer Geothermie-Bohrung löst Beben am Bodensee aus

Rückschlag für die Geothermie in der Schweiz: Eine Bohrung in der Schweiz nahe dem Bodensee hat am Wochenende mehrere Erdstöße und ein kleines Beben ausgelöst. Die Schweizer Behörden stoppten daraufhin am Wochenende das Projekt nahe St. Gallen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur SDA folgten dem Erdbeben der Stärke 3,6 vom Samstag, das vom Bodensee bis ins Appenzellerland spürbar war, bis Sonntagnachmittag 17 schwache Nachbeben. Verantwortliche schließen demnach weitere Erdstöße nicht aus.

Das baden-württembergische Umweltministerium fordert Informationen über die Ursachen für das Erdbeben. Daraus ließen sich möglicherweise nützliche Erkenntnisse für ähnliche Projekte im Südwesten ziehen, sagte ein Sprecher von Minister Franz Untersteller (Grüne) der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Bis genaue Angaben vorliegen, werde es aber wohl dauern.

Sichtbare Schäden hat das Beben sowie mehr als ein Dutzend kleinere Erdstöße am frühen Samstagmorgen nach ersten Erkenntnissen nicht verursacht. Ein Krisenstab will in den nächsten Tagen entscheiden, ob und wie es mit dem Erdwärme-Projekt weitergehen kann.

Während der Vorbereitungen für Tests in mehr als 4000 Metern Tiefe sei am Freitag überraschend Gas mit hohem Druck in das Bohrloch gelangt, berichtete die SDA unter Berufung auf einen der verantwortlichen Ingenieure. Als Gegenmaßnahme seien 650 Kubikmeter Wasser und eine schwere Bohrspülung in das Loch gepumpt worden, was die Erdstöße ausgelöst haben könnte.

Es habe sich um eine «absolute Notsituation» gehandelt, sagte Ivo Schillig, Chef der St. Galler Stadtwerke. Im Interview mit der «Sonntagszeitung» rechtfertigt er laut SDA die Gegenmaßnahme. Es habe ein großer Schaden gedroht, der die Bohranlage hätte zerstören können, sagte er. «Auf der Bohranlage waren Menschenleben in Gefahr.» Er gab zu bedenken: «Wenn die Anlage durch den starken Gasdruck hochgegangen wäre, wäre wohl ein großer Krater entstanden. Es galt, die auf der Bohranlage beschäftigten Personen zu schützen.»

Das Projekt sei nicht mit den Problemen nach Erdwärme-Bohrungen in Staufen oder Leonberg vergleichbar, betonte der Stuttgarter Ministeriumssprecher. Dort waren jeweils an mehreren Häusern Risse entstanden. Für die Wärmegewinnung von Wohngebäuden werde allerdings nur in wenigen hundert Metern Tiefe gebohrt, erklärte er.

Deutlich tiefer bohrt man für Geothermie-Kraftwerke, mit denen etwa Strom oder Wärme in großem Stil erzeugt werden soll. Die erste derartige Anlage in Baden-Württemberg ging 2009 in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) ans Netz. Dort wurde bis in 2500 Metern Tiefe gebohrt, von wo aus warmes Wasser hochgepumpt wird. Weder bei den Bohrarbeiten noch im Nachhinein habe es Probleme gegeben, sagte ein EnBW-Sprecher.

Bei einem Geothermie-Projekt in Brühl (Rhein-Neckar-Kreis) sollen sich die Bohrer bis zu 3800 Meter tief in die Erde schrauben. Beim Betreiber GeoEnergy war am Wochenende zunächst niemand zu erreichen.

In Basel war 2009 ein Geothermieprojekt nach Erdbeben gestoppt worden. Die Erdstöße erreichten dort eine Stärke von 3,4. SDA zitiert den Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes, Stefan Wiemer, wonach das Beben von St. Gallen mit jenem von Basel vergleichbar ist.