nach oben
War es wirklich Suizid? Der NSU-Ausschuss im Landtag beschäftigt sich mit dem Tod eines jungen Mannes, der offensichtlich Stress mit der rechten Szene und den Ermittler gleichermaßen hatte.
War es wirklich Suizid? Der NSU-Ausschuss im Landtag beschäftigt sich mit dem Tod eines jungen Mannes, der offensichtlich Stress mit der rechten Szene und den Ermittler gleichermaßen hatte. © dpa
02.03.2015

Schwere Vorwürfe gegen die Polizei nach ominöser Selbsttötung auf dem Wasen

Im NSU-Untersuchungsausschuss hat der Vater eines jungen Mannes, der sich in Stuttgart mutmaßlich selbst getötet hat, der Polizei schwere Vorwürfe gemacht. Die Beamten seien von Anfang an von einem Suizid ausgegangen und hätten diese These nie wieder infrage gestellt, sagte der Vater von Florian H. am Montag vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags in Stuttgart.

Der Tod von Florian H. beschäftigt den Ausschuss zur rechtsextremen Terrorzelle NSU, weil er gewusst haben soll, wer die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn erschossen hat. Den Terroristen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) werden zehn Morde von 2000 bis 2007 zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an Kiesewetter.

H. war am 16. September 2013 kurz nach Mitternacht in einem brennenden Fahrzeug auf dem Wasen gestorben. Der Vater kritisierte, die Beamten hätten danach lediglich zweimal Kontakt zur Familie gesucht. Er bestätigte, dass sein Sohn massive Drohungen aus dem rechtsextremen Bereich erhalten habe, nachdem er aus der Szene ausgestiegen sei.

Der Zeuge nährte damit Vermutungen des Rechtsextremismus-Professor Hajo Funke, der glaubt, dass H. möglicherweise in den Tod getrieben, wenn nicht sogar ermordet wurde. Der Vater bestätigte, dass sein Sohn wohl wusste, wer hinter dem Mord an Kiesewetter 2007 steckt. Sein Sohn habe den Prozess gegen das mutmaßliche NSU-Mitglied Beate Zschäpe vor dem Oberlandesgericht München einmal als reine Farce bezeichnet.