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Ein Obdachloser liegt auf der Rückseite des Neuen Schlosses unter dem Giebelrelief der Hohen Karlsschule in Stuttgart (Baden-Württemberg).
Ein Obdachloser liegt auf der Rückseite des Neuen Schlosses unter dem Giebelrelief der Hohen Karlsschule in Stuttgart (Baden-Württemberg). © Sebastian Kahnert/dpa
19.12.2016

Schwere Weihnachtszeit für Arme und Obdachlose

Karlsruhe (dpa/lsw) - Tausende arme und wohnungslose Menschen nutzen im Südwesten während der Adventszeit, an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen besondere Angebote sozialer Träger. «Der Bedarf ist enorm», sagt Ulrike Herbold von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (eva). Seit Ende des Zweiten Weltkriegs organisiert eva unter dem Namen «eva's Stall» die nach eigenen Angaben inzwischen größte Weihnachtsfeier Baden-Württembergs. Zu den Festen am 24. und 25. Dezember werden rund 1500 Menschen im Stuttgarter Haus der Diakonie erwartet.

Unter den Bedürftigen sind auch immer mehr Flüchtlinge mit oder ohne Asylstatus, EU-Ausländer, Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsländern. Sie stranden auf der Suche nach Wohnung und Arbeit in den großen Städten des Landes, erzählt Herbold. «In Gesprächen mit Wohlfahrtsverbänden wird uns in letzter Zeit vermehrt über die steigende Zahl von wohnungslosen Personen mit Migrationshintergrund berichtet», sagt auch eine Sprecherin des Sozialministeriums in Stuttgart. Den Angaben zufolge nutzen sie immer öfter auch die Angebote der Wohnungsloseneinrichtungen.

In Mannheim lädt die CityKirche Konkordien seit 2001 alljährlich zur Obdachlosenweihnacht «Offene Weihnacht» ein. Am 24. Dezember gibt es nach Worten von Pfarrerin Ilka Sobottke ein festliches Essen mit Rosmarinbraten, Gratin und Plätzchen. «Es ist eine hochemotionale Zeit.» Erwartet werden rund 300 Gäste, eine Verdreifachung im Vergleich zu vor fünf Jahren. Weitere rund 100 Bedürftige werden am Tag vor Heiligabend in der Tagesstätte für Wohnungslose bewirtet - «davon sind längst zwei Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund», berichtet Julia Koch vom Stadtverband der Caritas.

Auch die Bahnhofsmissionen im Land kümmern sich traditionell um Menschen in Not - und legen besondere Aktionen für die Weihnachtszeit auf. In Karlsruhe werden sie jedes Jahr einige Tage vor Heiligabend mit einem festlichen, von einem Sponsor finanzierten Menu versorgt; in Heidelberg spielt am Heiligabend alljährlich in der Bahnhofshalle ein Posaunenchor mit anschließender Weihnachtsfeier. «Unser Essen für insgesamt 60 Menschen ist schon im November ausgebucht; viele 'Stammgäste' kommen», berichtet die Leiterin der Karlsruher Bahnhofsmission, Susanne Daferner. Die Heilsarmee Freiburg erwartet am 24. Dezember rund 200 Menschen.

Und nach Weihnachten? Da rücken die Probleme der Wohnungslosigkeit wieder aus dem mitleidigen Blick. Jenseits der Feiertage bleiben sie aber bestehen und haben sich mit Ankunft der vielen Flüchtlingen im vergangenen Jahr noch verschärft. «Es gibt inzwischen durchaus eine Konkurrenz der Armen; sie alle haben schlechte Karten», sagt dazu Herbold von der Evangelischen Gesellschaft. «Es ist alles andere als einfach.»