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Über 100 Zeugen werden noch bis ins Jahr 2015 hinein in einem Prozess gegen Drogendealer aussagen müssen. Die hatten als Gefangene in der JVA Heilbronn einen schwunghaften Handel hinter Gittern aufgezogen.
Über 100 Zeugen werden noch bis ins Jahr 2015 hinein in einem Prozess gegen Drogendealer aussagen müssen. Die hatten als Gefangene in der JVA Heilbronn einen schwunghaften Handel hinter Gittern aufgezogen. © Symbolbild: dpa
26.02.2014

Schwunghafter Drogenhandel hinter Gittern: Prozess mit über 100 Zeugen

Wegen jahrelangen Drogengeschäften hinter Gittern müssen sich seit Mittwoch elf Männer vor Gericht verantworten. Seit 2011 sollen sie als Mitglieder der hierarchischen Organisation „Diebe im Gesetz“ im Heilbronner Gefängnis ihre Geschäfte abgezogen haben.

Es geht um den Handel mit Heroingemischen, Marihuana und anderen Substanzen. Außerhalb der Justizvollzugsanstalt sollen die Männer im Alter zwischen 27 und 46 Jahren dabei viele Unterstützer gehabt haben.

Die Verhandlung gegen die Männer aus ehemaligen Sowjetrepubliken findet aus Sicherheitsgründen im Mehrzweckgebäude des Oberlandesgerichts im Stuttgarter Stadtteil Stammheim statt. Es verhandelt die 3. Große Strafkammer des Landgerichts Heilbronn. Für den Prozess sind mehr als 100 Zeugen gehört. Es sind Verhandlungen bis Anfang 2015 angesetzt.

Die Polizei hatte im November 2012 bei einer Razzia die mutmaßlichen Hintermänner eines florierenden Drogenhandels im Heilbronner Gefängnis festgenommen. 60 Beamte waren bei der Razzia im Einsatz. Sie durchsuchten 18 Zellen und mehrere Gemeinschaftsräume in der Justizvollzugsanstalt sowie zahlreiche Wohnungen außerhalb der JVA.

Gegen 28 Gefängnis-Insassen werde nun ermittelt, 10 ihrer mutmaßlichen Komplizen in Freiheit wurden festgenommen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nach der Razzia mit. Gegen mindestens 20 weitere Personen außerhalb des Gefängnisses werde noch ermittelt. Die tatverdächtigen Personen, zumeist Spätaussiedler im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, hätten zum Teil noch langjährige Haftstrafen vor sich und hätten oftmals bereits zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung Drogenerfahrungen und Suchtprobleme mitgebracht.

Die Drogen seien wohl vor allem von Besuchern ins Gefängnis geschmuggelt worden - trotz aller Sicherheitsmaßnahmen. Doch auch andere Schmuggelarten seien genutzt worden, teilten die Ermittler im November 2012 mit, ohne Details zu nennen. Koordiniert und gesteuert wurden die Lieferungen wohl aus dem Gefängnis selbst. Dort habe es eine streng hierarchisch gegliederte Gruppe von Inhaftierten gegeben, die mit ins Gefängnis geschmuggelten Handys den Kontakt untereinander und zu ihren Lieferanten in Freiheit halten konnten. Die Täter seien extrem professionell vorgegangen, betonten die Ermittler.

„Trotz der hoch konspirativen Vorgehensweise der verschworenen Tätergemeinschaft ist es gelungen, die verdeckten und streng hierarchischen Strukturen aufzubrechen und nicht nur die Kleindealer, sondern auch die Rädelsführer ausfindig zu machen. Die geringe Menge der heute in der JVA Heilbronn sichergestellten Tabletten beweist, dass durch die im Vorfeld des heutigen Tages erfolgten Sicherstellungen der Nachschub in die JVA weitestgehend unterbunden werden konnte“, sagte nach der Razzia der Leiter der Staatsanwaltschaft, Leitender Oberstaatsanwalt Frank Rebmann.