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Einen schwunghaften Handel mit verbotenen Kräutermischungen hat die Polizei aufgedeckt. Die beiden dafür verantwortlichen Männer hatten sich bei einer Drogentherapie in Tübingen kennengelernt.
Einen schwunghaften Handel mit verbotenen Kräutermischungen hat die Polizei aufgedeckt. Die beiden dafür verantwortlichen Männer hatten sich bei einer Drogentherapie in Tübingen kennengelernt. © dpa
19.04.2012

Schwunghafter Handel mit verbotenen Kräutermischungen aufgedeckt

Weil sie in großem Stil einen gewerbsmäßigen Handel mit gesundheitlich bedenklichen Kräutermischungen (Legal Highs) betrieben haben, sind gegen einen 29-jährigen Tübinger und einen 36-jährigen Neckarsulmer Haftbefehle erlassen worden. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, in über 200 Fällen seit Februar 2011 bedenkliche Arzneimittel verbotenerweise in den Verkehr gebracht und unerlaubt mit Betäubungsmitteln Handel getrieben zu haben. Hierbei sollen sie einen Gewinn von weit über 15.000 Euro erwirtschaftet haben.

Ermittlungen der Kriminalpolizei Reutlingen brachten Mitte 2011 die Tübinger Fahnder auf die Spur des 29-jährigen Tübingers. Auslöser der kriminalpolizeilichen Ermittlungen war der Umstand, dass ein 15-Jähriger mit Vergiftungserscheinungen ins Reutlinger Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er hatte neben Alkohol auch eine Tabak-Kräutermischung konsumiert, die er zuvor in einem Reutlinger Tabakladen erworben hatte. Der Reutlinger Shop hatte entsprechende Kräutermischungen von dem 29-jährigen Tübinger bezogen.

Bei einer ersten Wohnungsdurchsuchung am 29. Juli 2011 konnten zahlreiche Unterlagen über den Verkauf dieser Produkte aufgefunden werden. Umfangreiche Ermittlungen ergaben, dass der 29-Jährige mit einem 36-jährigen Mann aus Neckarsulm bereits seit Februar 2011 Kräutermischungen über persönliche und telefonische Kontakte an Shops und Privatpersonen im gesamten Bundesgebiet vertreibt.

Beide Beschuldigte hatten sich bei einer Drogentherapie in Tübingen kennengelernt und ihre privaten Kontakte zu einer Geschäftsbeziehung ausgebaut. Seit August 2011 boten sie ihre teilweise selbst hergestellten und überwiegend aus den Niederlanden bezogenen Produkte zusätzlich über einen eigens eingerichteten Online-Shop zum Verkauf an. Es konnten Kräutermischungen erlangt werden, bei denen allesamt synthetische Cannabinoide zugesetzt waren, was entsprechende Untersuchungen beim Landeskriminalamt ergaben, und deren Herstellung und Vertrieb nach dem Arzneimittelgesetz und teilweise auch nach dem Betäubungsmittelgesetz strafbar ist.

Bei einer erneuten Durchsuchungsaktion im Januar 2012 in Tübingen und Neckarsulm, unter Mitwirkung von Kräften der Polizeidirektion Heilbronn, wurden rund 260 Päckchen mit verschiedensten Kräutermischungen und Unterlagen über die Vertriebswege sichergestellt. Beide Beschuldigte wurden daraufhin am 20. Januar 2012 auf Antrag der Staatsanwaltschaft Tübingen dem Haftrichter vorgeführt.

Gegen den geständigen 29-jährigen Tübinger ist der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Der bereits wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz einschlägig vorbestrafte 36-jährige Neckarsulmer wurde in Untersuchungshaft genommen.

Bei den sichergestellten Kräuter- und Räuchermischnungen handelt es sich um synthetische Derivate bereits bekannter Betäubungsmittel wie Cannabis oder Amphetamin, die aufgrund geringer Veränderungen der chemischen Struktur teilweise noch nicht vom Betäubungsmittelgesetz erfasst sind; allerdings liegen häufig Vergehen gegen das Arzneimittelgesetz vor. Diese „Legal Highs“ weisen regelmäßig aufgrund hoher Wirkstoffkonzentrationen ein hohes Gefährdungspotential aus, was die deutliche Zunahme an Vergiftungsfällen belegt. pol