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© Symbolbild: Seibel
27.06.2014

Sechs Jahre Haft nach Schüssen im Rockermilieu

Wegen versuchten Mordes hat das Landgericht Ulm am Freitag ein 25 Jahre altes Mitglied der Rockergruppe Black Jackets zu sechs Jahren Haft verurteilt. Im vergangenen Februar war ein Streit mit einem rivalisierenden Rocker-Club auf offener Straße eskaliert.

Der Verurteilte zielte damals vor einem Bordell im Ulmer Rotlichtviertel mit einer halbautomatischen Pistole auf eine Gruppe von mehr als 30 Mitgliedern der inzwischen verbotenen Red Legion und drückte dreimal ab. Die Kugeln flogen «über die Köpfe» der Rocker hinweg und gefährdeten Anwohner, die aus den Fenstern schauten, wie der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan in der Urteilsverkündung sagte.

Der 25-Jährige hatte sich von einem Gruppenfoto der Red-Legion-Mitglieder vor dem Bordell eines Black-Jackets-Anhängers provoziert gefühlt. Kurzerhand bewaffnete sich der Angeklagte und vier weitere Männer in einem naheliegenden zweiten Bordell - mit der Pistole sowie einem Baseballschläger und einem Gartenrechen.

Sie wollten die Rivalen vertreiben, zogen sich nach den Schüssen im Anblick der heranstürmenden Überzahl der Red-Legion-Anhänger jedoch wieder in das Bordell zurück. Vor Gericht gab der Angeklagte zu, die illegale Waffe abgefeuert zu haben, erklärte jedoch, dass er damit lediglich Warnschüsse abgeben wollte. Anhand von Augenzeugenberichten und der Videoaufzeichnung von einer Überwachungskamera habe diese Version widerlegt, der Ablauf rekonstruiert und der 25-Jährige schließlich für schuldig befunden werden können, sagte der Richter.

An 14 Verhandlungstagen befragte das Gericht unter strengen Sicherheitsvorkehrungen mehr als 100 Zeugen. Dabei hat sich nach Angaben des Vorsitzenden ein im Milieu übliches Schweigegebot bemerkbar gemacht: Viele Zeugen erschienen gar nicht erst und mussten dann durch Androhung von Strafe erneut vorgeladen werden, was den Prozess erschwert und unnötig in die Länge gezogen habe. Bei ihren Aussagen gaben viele von ihnen Erinnerungslücken wegen Trunkenheit an, der Angeklagte selbst machte nur wenige Angaben.

Dem Vorfall in Ulm waren bereits zwei bewaffnete Überfälle von Mitgliedern der verfeindeten Gruppen in Stuttgart und in Esslingen in den vergangenen zwei Jahren vorausgegangen. Dabei starb jeweils ein Anhänger beider Lager durch Messerstiche, neun Männer wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Bislang sei auf jeden Angriff wieder ein Racheakt gefolgt, erklärte der Richter. Diese Vorgeschichte habe man bei der Urteilsfindung berücksichtigt. Es sei in der Rockerszene leider so üblich, dass Konflikte wie der in Ulm untereinander ausgetragen würden.