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25.09.2012

Seniorin aus Baden-Württemberg entgeht in USA der Todesstrafe

Eine deutsche Oma hat in den USA ihren Enkelsohn ertränkt, um ihn vor dem Schicksal eines Scheidungskindes zu bewahren. Deshalb drohte der 73-Jährigen die Todesstrafe. Nun kommt die Rentnerin aus Baden-Württemberg mit einer langen Haftstrafe davon. Am Montag (Ortszeit) verurteilte eine Richterin die Frau wegen Totschlags zu 21 Jahren und sechs Monaten Gefängnis.

Auf dieses Strafmaß hätten sich die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung wenige Wochen vor dem offiziellen Prozessbeginn in Florida geeinigt, berichtete die Lokalzeitung «Apalachicola Times». Bis dahin hatte die Anklagebehörde die Hinrichtung der Rentnerin aus der Nähe von Böblingen verlangt.

Die Richterin habe es als erwiesen angesehen, dass Marianne B. ihren in Amerika geborenen Enkelsohn Camden im Januar 2010 im Ferienort St. George Island umbrachte, weil der damals Fünfjährige nicht als Kind geschiedener Eltern aufwachsen sollte. Dieses Tatmotiv hatte ihr Ehemann in seiner Zeugenaussage genannt. Die Eltern des Jungen hatten sich 2006 scheiden lassen. Der Kleine habe danach meist bei seiner Mutter im US-Bundesstaat Georgia gelebt.

Sein Vater verfolgte am Montag die Verkündung des Strafmaßes mit Tränen in den Augen, berichteten Gerichtsreporter. Als Nebenkläger habe er 30 Jahre Haft gefordert. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Frau wegen der harten Gesetze den Rest ihres Lebens in Haft verbringen wird. Knapp drei Jahre habe sie bereits verbüßt. Während des Gerichtstermins habe sie unbewegt gewirkt und auf Fragen lediglich mit den Worten Ja und Nein geantwortet.

Die Verteidigung machte eine mangelnde Zurechnungsfähigkeit der Seniorin geltend. Sie leide an Demenz und Depressionen und habe zur Tatzeit Wahnvorstellungen gehabt. Zwischenzeitlich galt sie auch als nicht verhandlungsfähig. Sie habe 1944 als Fünfjährige bei einem russischen Bombenangriff in Breslau eine Schädelverletzung erlitten, schrieb die Zeitung weiter. Die vergangenen Jahre verbrachte sie statt im Gefängnis meist in einem Krankenhaus. Laut der Polizei hat sie unmittelbar nach der Tat einen Selbstmordversuch unternommen.

Die Frau hatte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft 2010 im Urlaub zu dem Verbrechen in einem Ferienhaus entschlossen, als ihr Mann zum Einkaufen gefahren war. Bei seiner Rückkehr bemerkte er zunächst, dass die Haustür offenstand. Dann sei seine Frau mit nasser Unterwäsche bekleidet vom Strand ins Haus gekommen. Erst danach habe er den leblosen Körper des Jungen in der Badewanne entdeckt. Der Mann war zu dem Gerichtstermin aus Deutschland angereist.