nach oben
02.07.2014

Sex oder Wellness? - Streit um Tantra-Massagen vor Gericht

Stuttgart. Sind Tantra-Massagen ein sexuelles Vergnügen und damit steuerpflichtig? Nein, sagt Monika Kochs, die Ganzkörpermassagen in Stuttgart anbietet. Weil die Stadt das aber anders sieht und von ihr Vergnügungssteuer verlangt, zog Kochs zunächst vor das Verwaltungsgericht, wo sie verlor. Nun wird der Streit am Donnerstag  vor der nächst höheren Instanz, dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim, ausgefochten.

Viele deutsche Städte erheben eine sogenannte Sexsteuer, aber nicht alle. In Hamburg und Berlin etwa gibt es keine. Köln gehörte vor rund zehn Jahren zu den Vorreitern dieser Steuer. In Baden-Württemberg erhebt neben der Landeshauptstadt beispielsweise Freiburg die Abgabe. Berechnet wird sie nach Quadratmeterzahl des Etablissements oder der Wohnung.

In Stuttgart muss laut Satzung für «das gezielte Einräumen der Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen in Bordellen, Laufhäusern, Bars, Sauna-, FKK- und Swingerclubs und ähnlichen Einrichtungen» Steuer gezahlt werden. Der Landeshauptstadt brachte die Sexsteuer im Jahr 2012 rund eine Million Euro ein.

Doch «unsere Tantra-Massage-Behandlungen haben mit Rotlicht überhaupt nichts zu tun», sagt die 56 Jahre alte Klägerin Kochs. Deswegen hält sie es für ungerecht, eine Sondersteuer dafür zahlen zu müssen. Vor der Berufung gibt sie sich kämpferisch: «Es ist nicht einzusehen: Einerseits stimmt uns das Gericht eindeutig zu, dass die Tantramassage etwas gänzlich anderes als die Prostitution ist und dass unsere Massage-Institute keine Bordelle sind, andererseits soll mein Institut Vergnügungssteuer zahlen», betont sie.

Doch nach bisheriger Rechtsprechung sind Tantra-Massagen eben genau das: sexuelles Vergnügen und damit steuerpflichtig - so hatte das Stuttgarter Verwaltungsgericht im vergangenen November über den Fall entschieden. Nach Auffassung der Richter räumt die Klägerin in ihrem Betrieb «gezielt die Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen» ein. Dass die Massagen nach striktem Tantra-Ritual ablaufen und nicht in erster Linie auf das sexuelle Vergnügen, sondern auf ganzheitliches Wohlbefinden ausgerichtet seien, spielte laut Gericht keine wesentliche Rolle. Entscheidend sei, dass die Kunden gegen Entgelt eine Massage inklusive Genitalbereich buchen könnten.

Zwar gebe es bei den Ritualen auch Berührungen im Intimbereich - doch das sei kein Sex, betont Kochs. «Wir verehren den Menschen und den Körper. Mit der Massage wollen wir die Seele erreichen.» Bei Tantra-Massagen entkleiden sich Kunde und Masseurin und sind dann beide nackt. Der Intimbereich wird bei der Ganzkörperbehandlung mit eingeschlossen. Geschlechtsverkehr ist nicht vorgesehen.

Der Tantra-Massage-Verband stellt sich geschlossen hinter Kochs. Die Vorsitzende Michaela Riedl sagte: «Unser Verband hat kein Problem mit der Prostitution, wenn sie selbstbestimmt und nicht ausbeuterisch ausgeübt wird. Aber dennoch ist es wichtig, eine klare Linie zu ziehen und öffentlich zu erklären, wie unsere Arbeit aussieht und welchen kulturellen Beitrag die Tantra-Massage leistet.» Die meisten Menschen wüssten nicht, was eine Tantra-Massage sei, meinte auch Kochs. Mit dem Prozess wolle sie auch aufklären.