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Sexismus-Debatte: Bestimmte Frauen setzen sich aus Sicht von Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) absichtlich Situationen aus, in denen ihnen Anmache von mächtigen Männern droht. © dpa
29.01.2013

Sex und Politiker: Ministerin Öney nimmt Kollegen in Schutz

Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) wehrt sich in der Sexismus-Debatte um FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle gegen allzu simple Strickmuster. «Natürlich ist es nicht schön, wenn Frauen sexuell belästigt werden. Allerdings gibt es auch die andere Seite: Manch eine Journalistin, Sekretärin oder Praktikantin sucht bewusst die Nähe zu wohlhabenden oder mächtigen Männern. Möglicherweise fühlt sich mancher Mann in dieser Situation auch nicht wohl», sagte die türkischstämmige Ministerin am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart.

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«Gerade mächtige Männer in der Politik scheinen beliebt. Dafür gibt es eine Reihe prominenter Beispiele», sagte Öney, ohne konkret zu werden. Die 42-jährige SPD-Politikerin betonte: «Sexismus gibt es in allen Berufsgruppen.»

Eine «Stern»-Journalistin hatte Brüderle, der als Spitzenkandidat für die FDP zur Bundestagswahl antritt, jüngst anzügliche Bemerkungen vorgeworfen. Der Vorfall ereignete sich aber vor gut einem Jahr. Danach war eine Debatte über Seximus in Deutschland losgebrochen, in die sich mittlerweile nicht nur Politiker einmischen.

So lauern auch die Narren im Südwesten auf das Thema. «Die Fastnacht soll ja glossieren, das ist die Aufgabe der Narren», sagte der Präsident der Schwäbisch-Alemannischen Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle, der dpa. Sie ließen sich den Spaß an provokativen Sprüchen während der Fastnacht nicht nehmen. «Ich glaube sogar, dass das extra aufgenommen wird.» Es gehe bei den Narren ja gerade darum, solche Themen in jeder Form und aus jeder Perspektive zu beleuchten.

«Ein Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, muss aufpassen, was er sagt», so Wehrle. «Aber die Narren können so etwas in netter Form sagen.» Von Zurückhaltung in den Bütten im Land hält er nichts: «Das würde ich nicht tun, denn das wäre die erste zensierte Fastnacht.»

Unterdessen hat Flirtcoach Phillip von Senftleben den Unterschied zwischen sexuelle Belästigung und Flirten erklärt. «Flirten ist ein eigenes Kommunikationssystem mit eigenen Regeln, die Sexistisches oder Verweise auf Körperliches bei Frauen ausschließen», sagte der Berliner. «Sobald die Frau zu einem Objekt wird, ist das kein Flirten mehr und damit auch nicht erfolgreich.» Nur wer auf sexuelle Anmache verzichtee, hat beim Flirten Erfolg. So könne auch Brüderles Bemerkung nicht als Flirten bezeichnet werden: «Das war sexistische Anmache», sagte von Senftleben. Die Initiatorin der Twitter-Debatte um Alltagssexismus, Anne Wizorek, hatte eine neue Flirtkultur zwischen Männern und Frauen gefordert.

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