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Je suis Charlie © dpa
09.01.2015

Solidarität nach Paris-Anschlag groß - Sicherheitsvorkehrungen verstärkt

Der Terrorangriff von Paris mit zwölf Toten hat auch in Baden-Württemberg Konsequenzen. Polizei und Verfassungsschutz im Südwesten erhöhten nach Angaben des Innenministeriums ihre Sicherheitsvorkehrungen. Aber vor allem die Solidarität ist groß: Landesbehörden legten am Donnerstag Schweigeminuten ein, vor dem französischen Generalkonsulat in Stuttgart stellten Menschen Kerzen auf. Bis Samstag sollen an öffentlichen Gebäuden im Südwesten die Flaggen auf halbmast wehen.

Bildergalerie: Solidarität nach Paris-Anschlag in Baden-Württemberg groß

Mit Plakaten und Kerzen wollen Menschen zudem am Abend zum Stuttgarter Schlossplatz ziehen und der Opfer gedenken. «Wir setzen hiermit ein Zeichen für eine uneingeschränkte Pressefreiheit, gegen die Angst und den Fundamentalismus», heißt es beim Demo-Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook. Auch in anderen Städten versammelten sich Menschen auf den Straßen. Bei dem Anschlag auf das religionskritische Magazin «Charlie Hebdo» in Paris wurden am Mittwoch zwölf Menschen getötet.

Ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart sagte am Donnerstag: «Es gibt die üblichen Sensibilisierungsmaßnahmen nach einem Terrorschlag im Ausland.» Falls Redaktionen in Baden-Württemberg islamkritische Karikaturen veröffentlichen würden, wären sie seiner Einschätzung nach besonders gefährdet. Auch im Falle islamkritischer Demonstrationen wäre eine besondere Aufmerksamkeit geboten, sagte der Ministeriumssprecher. Bislang seien ihm im Land aber keine bekannt.

Aus Sicht des Rottenburger Bischofs Gebhard Fürst darf der Terroranschlag das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Deutschland nicht gefährden. «Bilder von Hass und Gewalt dürfen unseren Blick auf diese Religion nicht leiten, sie haben mit Glauben an Gott nichts zu tun», erklärte er.

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Islamischen Kulturzentren, Yavuz Kazanc, glaubt nicht, dass Muslime im Südwesten nun verstärkt Anfeindungen ausgesetzt sein werden. «Bei uns im Südwesten ist es entspannt», sagte er. Das zeige sich auch an der Resonanz auf die Demonstration gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung am Montag in Stuttgart, an der rund 8000 Menschen teilnahmen. In der Mannheimer Yavuz Sultan Selim Moschee soll der Anschlag im Freitagsgebet Thema sein, wie Vorstandsmitglied Abdullah Bayram sagte. Grundsätzlich werde jeden Freitag gegen Gewalt gepredigt.

Der Donnerstag stand auch im Südwesten im Zeichen des Gedenkens an die Pariser Opfer. Die Belegschaft des französischen Generalkonsulats in Stuttgart legte am Mittag eine Schweigeminute ein. «Wir sind mitgenommen, wir sind bestürzt», sagte die Assistentin des Generalkonsuls, Dominique Benkelmann. Die Fahnen am Gebäude sollten noch voraussichtlich bis Montag auf halbmast hängen. In Baden-Württemberg lebten Ende 2013 laut Statistischem Landesamt rund 28 700 Franzosen.

Auch die Soldaten der deutsch-französischen Brigade versammelten sich zu einer Schweige- und Gedenkminute. Soldaten beider Länder trauerten gemeinsam im Kasernenhof vor auf halbmast gehissten Flaggen. Das Hauptquartier der binationalen Brigade im südbadischen Müllheim bei Freiburg ist der einzige noch verbliebene Standort des französischen Militärs in Deutschland.

Im deutsch-französischen Gymnasium in Freiburg wurde das Attentat am Donnerstag zum Thema im Schulunterricht. Die Schüler seien tief bewegt von den Ereignissen im Nachbarland, sagte ein Lehrer. In Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) rief ein Bündnis für Freitagabend zu einer Mahnwache oberhalb des Marktplatzes auf.

Der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid zeigte sich erschüttert über den Terroranschlag. «Es ist das Gebot der Stunde, zusammenzubleiben und gemeinsam den Fanatikern entgegenzustehen – egal welchen Glaubens oder welcher Herkunft wir sind», erklärte er.

Der Landesverband der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD) verurteilte den Anschlag als «barbarisches, feiges Terror-Verbrechen». «Wir wünschen uns, dieser erbärmliche Angriff auf Grundwerte der Aufklärung, der Pressefreiheit und des Humanismus wird nicht instrumentalisiert, von welcher Seite auch immer», heißt es in einer Erklärung. Der Partei war vorgeworfen worden, den Anschlag für ihre Zwecke zu nutzen.