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dasfest © Thomas Sommer
21.07.2013

Sommer, Sonne, DAS FEST - Fans feiern in Karlsruhe

Karlsruhe (dpa/lsw) – Schwarzer Blazer, schwarzes Hemd, schwarze Jeans; Sebastian Emlings einzige Konzession an das strahlende Sommerwetter ist die schwarze Sonnenbrille. Doch dunkle Augengläser trägt der finstere Sänger vermutlich auch bei Nacht. Nicht nur, wenn er am helllichten Tag bei gut dreißig Grad mit seiner Band Shy Guy At The Show (SGATS) beim Karlsruher Open-Air-Spektakel «Das Fest» auf der Bühne steht.

Während die Besucher des Musikfestivals in der Parklandschaft der Günther-Klotz-Anlage am Samstag jedes Fleckchen Schatten ausnutzen, um der brüllenden Hitze standzuhalten, verbreitet der Karlsruher Gothic-Poet mit der Grabesstimme ungerührt kühle Gruft-Atmosphäre: SGATS klingen, als habe Nick Cave mit den Sisters of Mercy in einer düsteren Krypta viel blutschweren, im Eichensarg ausgebauten Rotwein geschlürft.

Beim Publikum ist derweil von Beerdigungsstimmung keine Spur: Alt und Jung zelebrieren fröhlich den Danse macabre um die frisches Nass spendende Sprenkleranlage. Doch das ist nur ein Beispiel für den Erfindungsreichtum der «Fest»-Gemeinde, wenn es darum geht, sich im Tropenklima Kühlung zu verschaffen: Hüte auf, Füße in die durchs Gelände fließende Alb oder in nassen Kleidern tanzen.

Bildergalerie: DAS FEST 2013 // Sonntag - Gentleman und seine Fans

Bildergalerie: DAS FEST 2013 // Sonntag - Später Abend an der Cafébühne

«Trotz der Hitze hatten wir eine völlig stressfreie Veranstaltung», sagt «Fest»-Geschäftsführer Martin Wacker. Die paar Kreislauffälle, die DRK-Helfer behandeln, gab es auch schon bei weniger Hitze. Eine besondere Herausforderung war allerdings die Getränkelogistik. Dennoch sei es gelungen, «das kühle Getränk stets am richtigen Platz zu haben», freut sich Wacker. Und das bei an die 250 000 Besuchern an den drei Tagen. Für Wacker war es ein «perfektes Fest».

Bildergalerie: DAS FEST 2013 // Sonntag - Der frühe Abend an der Feldbühne

Bildergalerie: DAS FEST 2013 // Sonntag - Stimmungsauftakt an der Hauptbühne

Bildergalerie: DAS FEST 2013 // Sonntag - Feierei an der DJ-Bühne

Bildergalerie: DAS FEST 2013 // Sonntag - Sportbereich und Cafébühne

Was für das Wetter galt, würden einige Fans beim Programm nicht ganz unterschreiben. Einige murrten über die «Deutsche Welle». Tatsächlich rissen nicht alle einheimischen Künstler das Publikum mit: Die Münchner Spaßfußballer Sportfreunde Stiller konnten am Freitagabend nur mit ihren ganz großen Hits «Ein Kompliment» und «'54, '74, '90, 2010» etwas Leben auf die natürliche Tribüne des «Mount Klotz», dem Haupt-Hügel auf dem Festival-Gelände, bringen. Auch der nette Wohngemeinschafts-Pop von Liedermacher Bosse («Liebe ist leise») vermochte die Massen am Folgetag wenig von der Grasnarbe zu reißen.

Bildergalerie: DAS FEST 2013 // Samstag - Seeed bringt Masse zum Feiern

Unbestreitbar ein Glanzlicht setzte hingegen das Berliner Dancehall-Kollektiv Seeed («Aufstehn», «Deine Zeit»). Nach einem ziemlich ernüchternden Boygroup-Auftritt zu Musik vom Band vor sieben Jahren beim «Fest» spielten die Groove-Aktivisten mit großer Besetzung und großem Hallo die Besucher in einen wahren Tanzrausch. Vor der Bühne tobten die Fans, während der Festhügel in einem Meer von Handy-Displays erstrahlte. Als leidenschaftlichste Akteure auf dem wohl heißesten «Fest» seit Jahren bleiben hingegen nicht nur große Namen in Erinnerung: So begeisterten das belgische Trio Triggerfinger mit spartanischem Power Rock und einem fulminanten selbstironischen Auftritt oder die so brachiale wie blutjunge Noisecore-Formation Vitja aus Münster und Köln.

Den glanzvollen Schlussakkord beim dreitägigen «Fest» sollten am Sonntag unter anderem die souligen Söhne Mannheims und Reggae-Star Gentleman setzen