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Hochsommer im Südwesten. Zeit für den Badesee, denken sich viele. Viel zu viele, hatten vor allem Politiker und Gesundheitsexperten gewarnt und auf das Infektionsrisiko hingewiesen. Voll ist es dann auch geworden. Aber bei weitem nicht so voll wie befürchtet. 

Sommerhitze im Südwesten - aber kein Chaos an den Badeseen

Stuttgart. Das befürchtete Chaos an den Badeseen in Baden-Württemberg ist trotz der hochsommerlichen Temperaturen am Samstag ausgeblieben. An vielen Badestellen herrschte zwar Betrieb, allerdings hatten die Behörden in den vergangenen Tagen immer wieder vor einer Überfüllung gewarnt, Kontrollen verstärkt und einige Zugänge zu den Seen gesperrt.

Nach Einschätzung mehrerer Polizeisprecher könnte die unsichere Wetterlage den einen oder anderen davon abgehalten haben, einen Badesee aufzusuchen. "Das Wetter gibt's heute auch nicht her", sagte ein Polizeisprecher in Karlsruhe.

Für den Nachmittag hatte der Wetterdienst vor starken Gewittern gewarnt, die einigen Menschen den Ausflug an den Badesee oder das Grillen im Garten kräftig verhageln dürften. An einigen Orten wurden bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter erwartet, erklärten die Meteorologen, die zugleich auch Höchstwerte zwischen 30 Grad im Bergland und 36 Grad an Oberrhein und Neckar vorhersagten.

Am Karlsruher Epplesee waren die Parkplätze zwischenzeitlich zwar belegt, aber es drohten nach Polizeiangaben keine Sperrungen. «Alles im Rahmen», sagte ein Sprecher. Die Polizei in Titisee-Neustadt im Schwarzwald sprach zwar von «erhöhtem Personenaufkommen» am See. Es seien aber weniger Menschen unterwegs als zunächst befürchtet. Am Opfinger See bei Freiburg hatten Badende ebenfalls ausreichend Platz, um das Sonnenbad zu genießen.

Das größte Problem der DLRG am Samstag: Wespenstiche. Auch am beliebten Baggersee in Kirchentellinsfurt bei Tübingen meldete die Polizei keine Zwischenfälle. Dort hatte Bürgermeister Bernd Haug im Vorfeld mit der Sperrung des Sees gedroht, falls zu viele Besucher gezählt werden sollten.

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) hält eine solche Schließung in Notfällen auch für sinnvoll. Es sei zwar nicht möglich, Zugänge generell zu kontrollieren, weil Badeseen öffentlicher Raum seien, sagte er. Dennoch müssten die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden. «Die Pandemie schlummert nur», warnte er am Samstag. Daher sei es auch nachvollziehbar, wenn örtliche Behörden Badestellen komplett schließen würden, sollten sich zu viele Menschen dort aufhalten. Allerdings müsse eine solche Entscheidung bereits vor den Badetagen getroffen werden.

Baden-Württemberg

Wenn der Ansturm droht: Lucha würde überfüllte Badeseen schließen

Bei der Sommerhitze hatten zahlreiche Gemeinden am Wochenende einen Ansturm von Besuchern befürchtet. Einige Kommunen hatten vorgesorgt: So hatte die Gemeinde Sipplingen am Bodensee bereits am Freitag einige Bereiche der Uferanlage und des Westhafens gesperrt. Diese Sperrungen sollen bis zum 15. September jeweils von Freitag bis Sonntag tagsüber gelten. Der Breitenauer See bei Obersulm (Kreis Heilbronn) ist bereits seit Freitag vergangener Woche gesperrt. Dort waren zuvor an einem einzigen Tag etwa 10 000 Menschen gezählt worden.

Das Problem: Wasserratten haben in diesem Sommer nur wenige Alternativen. Wegen der Corona-Pandemie bleiben viele Freibäder geschlossen - oder sie lassen nur eine eingeschränkte Zahl von Besuchern ins Becken. Deshalb waren in den vergangenen Tagen bei schönstem Sommerwetter immer wieder Tausende Erfrischungssuchende an die Badeseen gekommen - von Abstand und Masken konnte da oft keine Rede mehr sein.