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Lange haben die Vorbereitungen gedauert - nun sind die ersten von der Terrormiliz IS missbrauchten Frauen aus dem Nordirak nach Baden-Württemberg gereist. Der Umgang mit ihnen erfordert viel Fingerspitzengefühl.
Lange haben die Vorbereitungen gedauert - nun sind die ersten von der Terrormiliz IS missbrauchten Frauen aus dem Nordirak nach Baden-Württemberg gereist. Der Umgang mit ihnen erfordert viel Fingerspitzengefühl. © dpa
29.03.2015

Sonderprogramm für IS-Opfer: Erste Frauen im Südwesten angekommen

Stuttgart. Als bislang einziges Bundesland hat Baden-Württemberg in einem Sonderprogramm traumatisierte Frauen und Mädchen aus dem Nordirak aufgenommen. Die 23-köpfige Gruppe sei am Samstag angereist, sagte der Chef der Staatskanzlei, Klaus-Peter Murawski (Grüne), am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Die Landesregierung will damit Opfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) helfen. Bis zum Jahresende sollen insgesamt rund 650 Frauen und Mädchen nach Baden-Württemberg gebracht werden. Der Großteil wird wohl der religiösen Minderheit der Jesiden im Nordirak angehören.

Murawski bat die Öffentlichkeit noch einmal darum, zurückhaltend mit dem Thema umzugehen. «Die Frauen und Mädchen sind traumatisiert. Sie kommen aus einer fremden Kultur und müssen sich hier erst einmal einfinden und behutsam begleitet werden.» Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte erklärt, dass die Unterbringungsorte der Frauen und Mädchen auch aus Sicherheitsgründen nicht bekanntgegeben würden.

Kretschmann hatte die Aufnahme des Sonderkontingents beim Flüchtlingsgipfel des Landes im vergangenen Oktober angekündigt. Die Umsetzung gestaltete sich aber kompliziert. So gab es Engpässe bei der Visaerteilung im deutschen Generalkonsolat in Erbil. Das Land unterstützt das Konsulat nun mit eigenen Beamten. «Das ist gut angelaufen», sagte Murawski. In trockenen Tüchern sei mittlerweile auch eine gemeinsame Vereinbarung mit der Region Kurdistan-Irak.

Die Frauen und Mädchen werden auf Einrichtungen im ganz Baden-Württemberg verteilt. So hatten sich die Kirche bereiterklärt, einige von ihnen vorübergehend aufzunehmen. Das Land will das Sonderkontingent aus finanziellen Rücklagen finanzieren. Wie hoch die Kosten tatsächlich sein werden, ist nach Angaben von Muraswki noch offen. Zunächst kalkuliere das Land aber mit rund 30 000 Euro pro Person - erstmal für einen Zeitraum von zwei Jahren.

Das Land verhandelt mit den kommunalen Spitzenverbänden darüber, inwieweit die Kreise für Kosten dieses Sonderprogramms mit aufkommen können. Klar sei aber, dass das Land zusätzliche Aufwendungen wie zum Beispiel für die Behandlung von Traumatisierungen übernehme, sagte der Chef der Staatskanzlei.